Freitag, 23. Mai 2014

Der Dialog



Am kommenden Wochenende belege ich einen Romanworkshop zum Fokus Dialoge. Vorab-Hausaufgaben: selbst einen Dialog verfassen und ein Beispiel für einen sehr gelungenen Dialog aus einem Roman mitbringen. Hier das Ergebnis:



Ich: Du sag mal, ich gehe demnächst an einen Romanworkshop zum Thema Dialoge schreiben und soll da ein Beispiel für einen aus meiner Sicht sehr gelungenen Dialog mitbringen, fällt Dir da auf die Schnelle was ein?

B.: Ach was, machst Du das für Germanistikstudentinnen?

Ich: Das hättest Du wohl gern. Nein, ausnahmsweise bin ich mal Schulmädchen. Man lernt ja nie aus.

B.: Sehr süss, aber das hast Du doch gar nicht nötig. Oder ist der Lehrer ein Schnucki? So mit angenähten Ellenbogenschonern.

Ich: Das wäre dann ja fast schon wieder geil. Nee, weiss ich nicht, können wir uns wieder auf die Literatur konzentrieren bitte!

B.: Naja, alles von Ionescu und natürlich Woyzeck.

Ich: Ah, Woyzeck, gute Idee. Geht mir ja ähnlich: Von den Vorgesetzten ausgebeutet und vom Freund betrogen. Ausserdem komme ich ja aus Leipzig.

Ich blättere im Woyzeck herum, kann da aber nichts passendes finden.

Ich: Wo bist Du eigentlich gerade?

B.: In der Hölle. Ich sitze in einem Wartezimmer und vermisse die Zeiten, als ich noch Privatpatient war. Wie bei Sartre.

Ich: Du warst Privatpatient bei Sartre? Ich vermisse übrigens die Zeiten, als ich noch Patient war, wenn Du verstehst, was ich meine.

B.: Dann nimm doch Einer flog über das Kuckucksnest.

Ich: Das wären dann wohl eher Monologe. Oder innere Dialoge zwischen Persönlichkeiten ein und derselben Person. Was hältste denn von Platon, Shakespeare, Rimbaud? Soll wohl aber was modernes sein wahrscheinlich.

B.: Homo Faber, Besuch der alten Dame?

Ich: Ein Theaterstück? Ich weiss nicht. Die hab ich ausserdem grad nicht vorrätig, ich hab die Dialoge doch nicht im Kopf.

B.: Ach nicht? Das wäre doch das Mindeste.

Ich: Was ist denn mit Endstation Sehnsucht? Das hab ich aber nur auf Englisch. Das Stück sah ich übrigens mal in Hamburg. Das nackte, blasse Gesäss von Ben Becker aus der zweiten Reihe. Grossartig!

B.: Im Liebesleben der Hyäne sind ein paar sehr gute Dialoge.

Ich: Hank? Das ist denen sicher zu aufmüpfig. Was wäre denn mit Steppenwolf?

B.: Das hab ich seltsamerweise nie geschafft ganz zu lesen.

Ich: Komisch, ich auch nicht. Wohl zu deprimierend. Der Idiot vielleicht?

B.: Was denn da?

Ich: Irgendwo in der Mitte. Es geht um Kunst und Gott.

B.: Damit punktet man, klar!

Ich: Nee, dann nicht. Bin auch noch nicht wirklich zufrieden damit. Ich dachte noch an Elementarteilchen, aber die Dialoge da drin sind zu kurz und bei genauerer Betrachtung so gut nun auch wieder nicht. Ich schaute auch noch in Arenas' Wenn es Nacht wird. Da gibt's gar keine Dialoge. Hätte ich nicht gedacht. Auf sowas achtet man doch beim Lesen nicht. Und wenn, fallen einem doch höchstens schlechte Dialoge auf, nicht? Wie in Axolotl Roadkill zum Beispiel. Und so ein zusammenplagiatiertes, schlecht geschriebenes Werk wird dann die Sensation der Literatursaison.

B.: In Romanen gibt's generell wenig Dialoge. Und weisste warum? Weil die das alle auch nicht können. Wieso müsst Ihr überhaupt Beispiele mitbringen? Das ist doch wieder so ein Trick des Lehrers, um Zeit zu schinden. Gehn auch Filmdialoge?

Ich: Keine Ahnung, der Pate oder was? Oder aus Coppolas' Der Dialog! Schenkelklopfer. Ich könnte ja unseren Dialog hier als Beispiel anführen. Ach nee, soll ja ein sehr gelungener sein.

B.: Na ich find ihn gelungen.

Ich: Du findest ja alles gelungen, was wir verzapfen.

B.: Is ja auch so.

Ich: Also gut. Ich werde mich blamieren. Sei's drum.... Oder vielleicht doch aus Tod eines Handlungsreisenden? Die Leiden des jungen Werther? Faust? Der Kaufmann von Venedig? Die Buddenbrooks? Der Zauberberg? Krieg und Frieden? Siddhartha? Die Verwandlung? Wendekreis des Krebses? Effi Briest? Lady Chatterley? Nee, jetzt weiss ich's: Rotkäppchen. Der Dialog zwischen Rotkäppchen und dem Wolf. Warum machst Du jetzt so grosse Augen?

B.: ---


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