Die Junge Welt
hat mal wieder Kurzfutter von mir gebracht.
Heute: Einsicht
Die erste Print-Ausgabe erscheint Anfang 2020. Viel Vergnügen bei der Lektüre.
Da ich auf Trash und Vintage stehe, erstand ich im Shop danach ein, wie ich dachte, amüsantes Kerlchen. Wie ich später zu Hause feststellte, handelt es sich allerdings um einen schwulen Panda. Natürlich können auch schwule Pandas amüsante Kerle sein. Mein kleiner Gay guckt allerdings leicht bedröppelt, als wäre es ihm doch lieber, er wäre ein Guy.
Mir ist die sexuelle Orientierung meines Spielzeugs einerlei, etwas enttäuschend war dann allerdings, dass sich gar nicht, wie versprochen, ein Uhrwerk in der Kiste befand.
Aber vielleicht ist das alles auch nur Irreführung des chinesischen Geheimdienstes, um noch schneller als vom Rest der Welt befürchtet, die Herrschaft über selbige zu übernehmen. Pandi wird es mir nicht verraten. Aber trommeln kann er wunderbar. Allerdings nur, wenn ICH ihn aufziehe. Bäh!
Ich werde von diesen 12 von mir gemalten Originalbildern
Kartensets (Standard-Postkartengrösse) produzieren. Eignet sich als Geschenk
für Feministinnen mit Sinn für Humor gleichermassen wie für
Gleichstellungsbeauftragte oder Freunde schräger Kalender, Leute, die gerne
witzige Karten versenden oder vor nackten Tatsachen und bösen Sprüchen nicht
zurückschrecken.
Da die Herstellungskosten vergleichsweise hoch und die Bilder Unikate sind, wird ein 12-er Set etwa um die 32 Franken kosten. Um zu wissen, wie viele ich in etwa produzieren muss, wollte ich mal nachfühlen, wer Interesse hätte, eins zu erstehen. Direktbestellung hier (oder per PN) wäre ideal.
Sollten Einzelkarten gewünscht werden, so ist auch das kein Problem. Eine Karte kostet 2.90 CHF + Porto (Versand auf Wunsch mit A- oder B-Post).
ZÜRICH-INDIEN-RETOUR
Für alle, die die Erstauflage verpasst haben:
VARANASI – Endstation Ganges
(das Buch zum wahnwitzigen Literaturstipendiums-
Die Zweitauflage ist zugleich eine Neuauflage: Mit dem gONZoverlag Mainz hat sich mein Hausverlag rund um die wunderbare Miriam Spies meines Werkes angenommen. Neues Format, neues Cover, neues Layout, neue ISBN: 978-3-944564-46-3. Der Inhalt ist unverändert (gut) geblieben. Ebenso der Preis.
Es kann ab sofort für 14.95 Euro (D/A) oder 18.95 CHF (CH) + Porto bei mir bestellt werden. Wer eine Widmung möchte, bitte bei der Adressangabe mitteilen.
Es kann zudem im gONZoverlag (http://www.gonzoverlag.de/) o
DER
DREH II
Seit Stunden stehen wir
am offenen Grab von Kurti Wyss
die Sonne brennt sich unerbittlich
in die weich gewordenen Synapsen
neben mir steht Roeland Wiesnekker
so nah und doch so weit entfernt
ich könnte ihn anfassen
und in seine Wange kneifen
ihm übers ordentlich gekämmte
Haupthaar streichen
mich gelüstet
nach sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
doch die Hauptdarsteller sind tabu
als wären sie aus einem edleren
Material als wir
von der Knochen-Muskel-Fett- und
Hautfraktion
und überhaupt Corona und der ganze
Distanzierungsstress
und Kurti wartet immer noch versenkt
zu werden
aber laut Kreuz stirbt er erst 2021
das zieht sich hoffentlich nicht ganz
so lange hin
das TOI TOI verfügt nur über
begrenzte Kapazitäten
und seit Corona ist das Catering
beschissen
was so ein Virus alles nach sich
zieht
das hat der Flughund nicht bedacht
dann ist er endlich in der Erde
der suizidale Bauernsohn
und wir singen Grosser Gott, wir
loben dich
noch nie so lange in der Kirche
gesessen
die Kunst verlangt mir vieles ab
«Mir dreijet»
«Wir drehen, Ruhe bitte!»
«Ton»
«Ton läuft»
«Kamera»
«Yep»
«Uuuuund Action!»
«Cut, Rahel, du bist zu nah»
«Könntest du da vorn weniger mit dem
Kopf wackeln»
«Statisten bitte mehr Leben in der
Bankreihe 6»
«Aber nicht übertrieben»
«Auf Anfang bitte, Aaaachtung, mir
dreijet»
Ich DREH auch gleich
am Rad
DIE GEMÜTSLAGE
Ich fühle mich heimatlos
entwurzelt
in dieser fremden Behausung
doch im gewohnten Dunstkreis
es ist eben nicht wie Ferien
auch wenn mir das manche weismachen
wollen
ich reise nicht
und erlebe nichts
ich krieg nur Berichte von
Rohrbrüchen
Asbestbelastungen
und Wasserschäden
ich kann nicht arbeiten
ich bin blockiert
mein Leben steckt in Kisten
hinter Abdeckfolie versorgt
ich kann nicht mal weg
weil ich nach der Rückkehr in
Quarantäne müsste
keine Ahnung, wo die sein könnte
also sitze ich aus
meist liege ich
und lausche den News von draussen
C. hat gekündigt wegen (In)differenzen
S. ist auf Kurzarbeit und danach weg
vom Fenster
B. wurde entlassen wegen Renitenz
und M. geht in die Politik
weil er sich langweilt
in seinem überbezahlten Job
ich genehmige mir ein 3-Gänge-Menü
lieber verfress’ ich das letzte Geld
als es irgendeiner Institution in den
Rachen zu stopfen
überall muss ich Zettel mit meinen
Daten ausfüllen
der Beweis, dass das digitale Zeitalter
noch in weiter Ferne liegt
am Nebentisch drei antiautoritär
erzogene Gören
sie benehmen sich wie freche Schweine
eins heisst Alexa
da ist die Virtuelle Amazon-Trulla ja
noch angenehmer
es juckt mir in der Hand
der blöden Mutter mit der
aufdringlichen Stimme
eine Backpfeife zu geben
Alexa schmeisst alles auf den Boden
das Essen
den Sirup
sich selbst
einfach weil sie Lust drauf hat
der See ist hier am Ufer bereits tief
da wäre sie schnell weg
und nach anfänglichem Aufruhr
kehrte endlich Ruhe ein
und auch mein Wohnproblem
wär’ ein für alle Mal gelöst
ich würde gern ein Wutseminar buchen
doch das verhindern die
Abstandsregeln
Alexa ist stiften gegangen
vielleicht löst sie das Problem
selbst
heldenhaft würde ich sie aus dem
Wasser fischen
Rettung in letzter Sekunde
die Heldin der Roten Fabrik
einst brillierte sie hier auf der
Bühne
jetzt rettet sie Leben von
Kleinkindern
Safeguard Susi
Retterin der Vermehrten
Entartete der Verqueren
Später im Airbnb treffe ich erstmals
einen vom Mittelstock
im weissen Unterhemd und Topf in der
Hand
steht er ratlos in der Küche
er hat ein nettes Gesicht und einen
slavischen Akzent
«Ich bin Adi»
«Susann, freut mich. Adi wie
Aaaaa...?»
«Adolf»
«Ja dann»
DAS CAFÉ
Drei Businessmen im feinen Zwirn
ziehen über Frauen her
die abnehmen sollten
und nur mal gebürstet gehören
zwei Schweizer und ein Deutscher
wobei Ersterer der Rädelsführer ist
und die anderen zunehmend in sein
Gesäss vorrücken
seine dreckige Lache macht dem Joker
Konkurrenz
weitere Qualitäten scheint er nicht
zu haben
wenn das die neue Elite ist
dann gute Nacht
jetzt fährt ein
rotes Cabrio vor
das Schweizerkreuz in den Lack gespritzt
Tag der Patrioten vermutlich
hinten ein Aufkleber der SVP
ZU VIEL IST ZU VIEL!
genau! also schleich di
manchmal schielt der Deutsche zu mir
rüber
«Sind wir zu laut?»
«Das auch», sag ich, und: «Euch ist schon klar,
dass wir Euch alle hören, wir Frauen.»
ein Rockergirl stimmt mit erhobenen
Daumen zu
auf ihrem Shirt steht
Follow
your fucking dreams, not me!
die Münder der drei selbsternannten
Musketiere bewegen sich
aber es ist nichts zu hören
weil die Alarmanlage eines Riesen-SUVs
im Sekundentakt anschlägt
und jetzt wird einer des Trios
mit Umarmung und Rapperpose
verabschiedet
wie toll das doch war
sich mal wieder zu treffen
und kaum ist er weg
zieh’n die anderen über ihn her
als wäre er der letzte Honk
Waschweiber sind nichts dagegen
dann steigt der Deutsche in einen BMW
mit Münchner Kennzeichen
ich denke: typisch
aber er ist gar kein Bayer
trotzdem, dann typisch Mann
irgendwas ist immer typisch
um das Revier zu markieren
das gar nicht seins ist
lässt er den Motor nochmal aufheulen
bevor er, schon siegessicher, den SUV
streift
im Alarmgeheul der Protzkarre denke ich nur
halleluja, was für Wichser
DIE
BAUSTELLE
Mein Bad – wie nach einem Erdbeben
oder wie ich es mir nach einem Erdbeben vorstelle
Kriegsmetaphern spar ich mir
das wäre dann doch übertrieben
obwohl: so ohne Wasser und Strom
Kühlschrank und Möbel
in Schutt und Asche
und Staub versunken
mit Wasserrohbruch und abgerissenen Fliesen
bevor das Asbest-Sonderräumkommando anmarschierte
wie in einem Flüchtlingslager im Libanon
wobei bei mir ein Ende abzusehen ist
auch wenn sich das zu verzögern scheint
wer so ein echter Abreisser ist
kennt keine Gnade
und ist hart im Nehmen
die Asbestlunge wird’s ihm nicht verdanken
aber das kann mir egal sein
auf meinem Zettel für die Maler
zur Dübel-Erhaltung
hat einer OH MEIN GOTT! gekritzelt
ich fürchte, Gott hat damit nichts zu tun
aber wenn man keine Anordnungen gibt
machen sie, was sie wollen
weil alles scheissegal ist
Vertrauen ist schlecht
und Kontrolle nötig
beim Nachbarn haben sie die Türen zugetackert
bevor er die Bude geräumt hat
vermutlich wird er jetzt zwangsentsorgt
im Keller, den sie für ihn umdekoriert haben
im Briefkasten
das Extrablatt der SVP
damit
können sie das Loch in der Mauer stopfen
hält
sicher hundert Jahre mit der Propagandaschmiere
und wär’ das nicht genug
sagt Erdoğan, der Komödiant vom Bosporus:
«Wir sind bereit,
Märtyrer zu werden!»
ach! fick dich doch mal selbst statt Ziegen
und Hochwasser im Tessin
und kriminelle Banden in Göteborg
Corona-Gegner auf Schulterschluss mit Nazis
stürmen den Reichstag wie einst die Hitleranhänger
ja seid ihr denn alle verrückt geworden?
und Trump reist nach Kenosha
um die Polizei zu treffen, versteht sich
bei schwarzen Opfern ist er auf beiden Augen blind
Trumps Bruder Robert hat das einzig richtige getan
er ist gestorben
hat sich hingelegt und ist abgetreten
vermutlich konnte er es nicht mehr ertragen
«Wir werden uns wiedersehen», sagt Donald
und ich hoffe das passiert bald
am bestem vor dem 3.11.
gegen das globale Desaster
ist meine Baustelle ein Ort der Harmonie
es ist immer eine Frage des Blickwinkels