Samstag, 15. Februar 2020

Tropenfieber

Steht die nächste exotische Reise in die Ferne an? Tropenfieber gibt's jetzt auch direkt im BoD-Buchshop online. Da bekomme ich mehr Autorenrabatt. Also falls es jemand bestellen möchte, der tue das doch gerne 


Donnerstag, 13. Februar 2020

Donnerstag, 6. Februar 2020

Buchmesse Leipzig 2020




LESUNG IN DER GALERIE ARTAE LEIPZIG
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2020 lese ich gemeinsam mit 
Mayjia Gille 
die Auftaktlesung zur Messe
 in der Galerie ARTAE
Donnerstag, 12. März 202
19:00 Uhr
Showroom der Galerie ARTAE
Menckestrasse 3 Leipzig


Mittwoch, 5. Februar 2020

Zum 85. von Jürgen Ploog

Einer ploog über mein Kuckucksnest

Ich weiss noch, als ich Jürgen Ploog an einem kalten Winterabend in Frau Gerolds Garten in Zürich anlässlich einer Burroughs-Lesung das erste Mal traf. Wer Naked Lunch als Theaterstück übersteht, der kann es auch getrost mit Ploog aufnehmen, ging es mir durch den Kopf, als ich Herrn X. für die Lesung zusagte. Vielleicht wars auch Sommer, die sind in der Schweiz mitunter wie anderswo der Winter. Alles in allem habe ich eher verschwommene Erinnerungen an diese Nacht. Es muss so vor zehn Jahren gewesen sein. Oder vor fünfzehn. Vielleicht auch vor fünf, denn da wäre Ploogs Busenfreund Burroughs 100 Jahre alt geworden, der mit dieser Lesung geehrt werden sollte. 

Als ich Frau Gerolds Garten durch die Vordertür betreten und mich vorgestellt hatte, schob mich irgendein Angestellter zur Hintertür wieder raus, hinter der ein Wohnwagen für die Künstler stand. Mit einer Handbewegung wies er mich an, selbsttätig in selbigen einzutreten. Ich tat wie mir geheissen und betrat einen rauch- und rotlichtgeschwängerten Raum, der ein bisschen aussah, wie ich mir eine old fashion Verrichtungsbox vorstellte. In der linken Ecke sass Herr X. auf einem Sitzkissen und sprang zu meiner Begrüssung freudig auf. In der rechten Ecke sass der grosse Ploog in Trenchcoat und mit Hut. Ein Gentleman, ein Sunnyboy oder irgendwas dazwischen. 


Irgendwo sass, soweit ich mich erinnere, eine junge Frau. Es könnte Frau Y. gewesen sein oder irgendeine andere Hübsche. Vielleicht war auch keine weitere Frau anwesend und ich erblickte mich im Spiegel, mit Sicherheit kann ich es nicht sagen. 

«Das ist die grossartige Frau Klossek», sagte Herr X. zu Jürgen «und das ist Jürgen Ploog», sagte er zu mir. Ich wusste, dass das Jürgen Ploog ist, der mich mit einem Blick anschaute der sagte: Muss man die kennen und wenn ja, mir doch egal. 

Beide – oder alle drei – hatten Gläser in der Hand, in denen Tee, Whiskey, Wasser oder sonst irgendeine Flüssigkeit waberte, ich kann es nicht sagen. Jürgen hatte etwas aus der Zeit Gefallenes, was mir sehr gefiel. Die Konsequenz, mit der er mich ignorierte, war bewundernswert. 

Wir unterhielten uns oder auch nicht. Ich weiss, dass ich etwas sagte und dass Jürgen etwas sagte, aber das muss nicht zwangsläufig heissen, dass wir miteinander sprachen. Dann begann die Lesung. Im muschepupuigen Dämmerlicht einer alten Nachttischlampe las Herr X. irgendetwas und Jürgen Ploog – noch immer in Mantel und Hut – las irgendetwas.

Auch ich, soweit ich weiss. Obwohl ich das mit Sicherheit nicht sagen kann, denn in meiner Erinnerung sitze ich im Publikum. 
Inhaltlich ist mir nichts geblieben, aber da es um Burroughs ging, kann es nur etwas mit Drogen und Lemuren zu tun haben. Cut-up lässt sich sowieso schwer merken, finde ich. Ploogs gute Schreibe kannte ich, weil ich sie gelesen habe. Meine Schreibe kannte er nicht, weil er sie nicht gelesen hat. 

Irgendwann im Laufe des Abends stand ich vor der Tür des Lokals und rauchte, obwohl ich Nichtraucher bin. Neben mir ein Arbeitskollege, der mir gerade noch gefehlt hatte. Im Schummerlicht der Strassenlaterne sah es auch, als habe er einen Heiligenschein. Wer ihn kennt weiss, eindeutig eine Sinnestäuschung meinerseits. Herr X. kam abhanden. Wie mein Verstand, in dieser Nacht, die im Nebel der Stadt waberte wie Waldmeister-Götterspeise, die man mit Absinth versetzt hatte. Ich hob mein Glas auf Burroughs und auf Ploog, der in diesem Moment in die Dunkelheit abging, sich aber wie Columbo nochmal umdrehte, als wolle er «Nur noch eine Sache» sagen. Ploog winkte aber ab und verschwand. Cut.



Hinweis:


Cut-up Connection – ein Abend für Jürgen Ploog

Mit Claire Plassard, Pablo Haller und Florian Vetsch

Aus Anlass des 85. Geburtstags des Autors lesen Claire Plassard, Pablo Haller und Florian Vetsch Texte von und zu Jürgen Ploog.

Im Anschluss daran wird als Late Night Show das Ploog-Filmporträt von Daniel Guthmann «Cut-up Connection oder Die Algebra des Überlebens» (1998) aufgeführt; der Regisseur ist anwesend; dazu gibt es braunen Tequila mit Orangenschnitzen und Zimt frei Haus.

Eine Ausstellung zeigt Erstausgaben von Jürgen Ploog, ohne den es die deutschsprachige Pop- und Beatliteratur so nicht gäbe.

7. Februar 2020 - 20:00

Kult-Bau, Konkordiastrasse 27, St. Gallen, C

https://www.kultbau.org/

Bild: Veranstaltungshinweis Cut-up Connection, eventfrog (vermutlich ein Werk von J.Ploog)






Montag, 20. Januar 2020

Neulich im Zug



Neulich in der S-Bahn, im Nebenabteil zwei Girls (so 19/20) streiten sich:

Girl 1: "Das heisst Nestea" (spricht es korrekt engl. aus)
Girl 2: "Nestiii, so en Seich. Nästle sagt man!"
Girl 1: "Spinn ich jetzt, das heisst doch Nestiii."
Girl 2: "Nestle. Nestleeee."
Beide schütteln den Kopf und beginnen wie wild zu googeln.
Girl 1 wird zuerst fündig: "I sägs doch, Nestea" (zeigt Girl 2 das Handy.
Ich: Es gibt beides. Nestlé ist der Saukonzern, Nestea das Getränk. Von Nestlé.
Girl 2: "Säg i ja. Nestle.
Girl 1 (hält das Handy Girl 2 hin): "Chasch nöd läse? Nestea!"
Girl 2: "Wo ist denn da das 'i'? Man sagt Nestle, sonst müsste man ja T E A (spricht es wie den Frauennamen aus) sagen!"
Ältere Dame mir gegenüber, die schon länger die Augen verdrehte, rastet kurz aus: "Mein Gott, TEA ENGLISCH FÜR TEE!!!"
Beide schaun zu uns rüber, dann sich wieder an, Girl 2 zu Girl 1: "Du häsch äbe Näääästi gesagt, das meinte ich. Hast du schon das Schockvideo unter 'Don't fuck with cats gesehn?"
Ältere Dame zu mir: "Und sowas will die Welt retten! Von tuten und blasen keine Ahnung!"
(Anmk.d.Red.: Von blasen vermutlich schon.)


Samstag, 4. Januar 2020

Der neue DreckSack ist da

Neues Jahr - neues Glück. Und schon ist der neue DreckSack frisch ab Presse zu haben. Und er wird passend zu neuen Jahrzehnt heuer schon 10 Jahre:

Das alte Jahr vergeht, aber der DreckSack bleibt und feiert 2020 seinen 10. Geburtstag mit neuem Papier und modifizierten Farben. Ein Film ist in Arbeit und eine Sondernummer, die voraussichtlich im Juli erscheint. Wir haben also wieder einiges vor. Die beteiligten Autoren der Januarausgabe sind diesmal:

Michael Arenz, Dirk Bierbaß, Marvin Chlada, FatimaDjamila, Klaus Geelhaar, Jörg Herbig, Jan-Eike Hornauer, Susann Klossek, Marina L., Matthias Merkelbach, Thomas Meyer-Falk, Marcus Mohr, Jürgen Ploog, Robsie Richter, Michael Schweßinger, Erik SteffenDie Fotografien sind von: Michael Dressel (Los Angeles)

Das Inhaltsverzeichnis findet ihr hier:
www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/aktuelle-ausgabe/

Erhältlich ist der DreckSack hier:
https://www.edition-luekk-noesens.de/shop-1/drecksack/


Die Release-Lesungen finden am 18. Januar um 20 Uhr im Goldenen Hahn (Kreuzberg) und am 7. Februar um 19 Uhr im Baiz (Prenzlauer Berg) statt. Die Vortragenden sind noch nicht ermittelt, werden aber rechtzeitig bekanntgegeben.

Wir wünschen euch/Ihnen allen ein gutes neues Jahr!
Die DreckSack-Redaktion

Weitere Infos:
https://www.edition-luekk-noesens.de
https://www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/
https://www.facebook.com/drecksackberlin

Mittwoch, 18. Dezember 2019

BESSER NICHT

Sachen, die man auf einer Vernissage NICHT sagen sollte:

… und davon kann man leben?!
… meine Tochter malt auch
… ich habe an der Volkshochschule auch mal n Kurs gemacht
… woran erkennt man, das etwas Kunst ist?
… wer zahlt denn die Galeriekosten?
… was genau soll das darstellen?
… tja, Ideen sollte man haben
… ich mag nur Bilder, auf denen man etwas erkennt
… das ist ja nun gerade gar nicht trendy
… und in welchem kunsthistorischen Zusammenhang steht das?
… welcher Maler ist Ihr Vorbild?
… steht das nicht auf dem Kopf?
… so, macht mer auf (Künstler XY)?
… wie lange haben Sie dafür gebraucht?
… schön, wenn man ein Hobby hat
… waaas? Für das Geld kriegt man ja ein Auto!
… das kann ich auch
… was machen Sie eigentlich beruflich?

Donnerstag, 28. November 2019

Work in Progress

Kleine Vorschau auf einen Zwölfteiler

Das Glück der falschen Fährten




Zwischen seinem Roman noir Blumberg und den für 2020 angekündigten Fortsetzer Blumberg 2 hat Andreas Niedermann unter dem Titel Das Glück der falschen Fährten noch rasch eine kurzknackige Novelle dazwischengeschoben.

Im 132 Seiten langen Stück spielt Niedermann Niedermann, der aus finanziellen Gründen und Absenz von Frau und Kind seine Wiener Wohnung an ein zahlungskräftiges Schweizer Paar aus der IT-Branche vermieten muss. Sich selbst quartiert er in einer Absteige ein, die er vor 20 Jahren bereits einmal frequentiert hat. Doch anstatt der erhofften Ruhe, um an einem Vortrag schreiben zu können, findet er Lucinda Williams, ihres Zeichens berühmte Country-Musikerin aus Louisiana, als unfreiwillige WG-Partnerin vor, die sich in Wien inkognito ihre schwächelnden Stimmbänder kurieren lassen will. 

Lucindas Anwesenheit – mehrheitlich in der Badewanne hinter einem Paravent – bringt Niedermann aus dem Tritt. Anstatt an seinem Vortrag zu schreiben, träumt er jede Nacht wilde Abenteuer, in denen ihm Countrygrößen wie Johnny Cash und Townes van Zandt erscheinen. Tagsüber ergeht er sich in Erinnerungen an sein früheres Leben oder fabuliert über Boxkämpfe und die Verdorbenheit des Literaturbetriebs. 

Die Novelle ist kurzweilig und spritzig. Niedermann nimmt uns mit in den Mikrokosmos seiner Klause und gleichzeitig in den Makrokosmos von Wien, also gewissermaßen in seinen ureigenen Mesokosmos. Auf Kosmisches wartet und hofft man auch, was die Sache mit Lucinda angeht, doch ob tatsächlich etwas zwischen den beiden passiert und wenn ja, was, lasse ich hier mal offen. 

Und wird er seinen im Buch angekündigten Knaller-Roman schreiben?

Das Buch liest sich überall gut, auf der Couch, im Zug oder in der Badewanne. Vorzugsweise zu Songs von Lucinda wie Drivin’ Down a Dead End Street oder Wild and Blue


Rezension zu Zurück aufs Eis

Eine schöne Rezension zu Zurück aufs Eis - Wie man keinen Roman schreibt.


Wer noch kein Weihnachtsgeschenk hat, das wäre doch eine gute Idee. Zu bestellen bei mir, Lieferung prompt, bis zum 18.12.19 - auf Wunsch mit Widmung und Signatur. 

Montag, 11. November 2019

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Rezension zu Varanasi

Eine kleine, feine neue Rezension zu Varanasi:

Klossek in Höchstform
Hey! Susann Klossek macht alles wieder gerade und echt. Das dachte und denke ich mir, wenn ich „Varanasi“ lese. Dieses Buch ist nichts anderes als der Gegenentwurf zu all den Selbsthilferatgebern und unreflektierten Indienführern. Was Besonderes vielleicht. Klossek macht mit jedem Satz den Sack zu, intellektuell...und verdammt witzig. Und sie versucht nicht auf der Welle zu schwimmen, sondern taucht drunter weg. Manchmal hart an der trivialen Grenze, aber stets stilsicher und immer bösartig. Dafür kann man sie hassen oder auch lieben, wie ich. Ich glaube, es gibt kein unheiligeres Buch über Indiens heiligste Stadt. Schon allein deswegen, sollte man es lesen.

 Sardus Lamm

Montag, 14. Oktober 2019

Ausflug nach Konstanz




Am Freitag fuhr ich für einen Termin von Zürich nach Konstanz. Im Zug war ich umzingelt von potenziellen Einkaufstouristen, die mit leeren Koffern und Einkaufsrollwägelchen bewaffnet ennet der Grenze einen günstigen Wochenendeinkauf erledigen wollten. 

Eingepfercht saß ich zwischen zwei mittelalten Schweizerinnen mit allerlei Taschen und ungeheurem Mittteilungsbedürfnis. Es hätten genauso gut zwei Deutsche oder Vertreter irgendeiner anderen Nation sein können. In diesem Falle waren es halt Schweizerinnen. Sie unterhielten sich über den Attentäter von Halle:

Frau 1: Wo war das gleich wieder, wo der gestern zwei Menschen erschossen hat?

Frau 2: Das war vorgestern. Das war in Zelle.

Frau 1: Ich hab’ gehört, der konnte nur nicht in die Moschee stürmen, weil er Ladehemmungen hatte. Aber sie haben ihn, oder?

Frau 2: Ja, der mutmaßliche Täter. Muuuutmaßlich. Es gab wohl ein Video.

Frau 1: Ach! Hat das jemand gefilmt?

Frau 2: Keine Ahnung.

Frau 1: Wo war der her?

Frau 2: Ich weiss nicht. Syrien oder so.

Mir schwoll unterdessen ein bisschen der Kamm. Am liebsten hätte ich gerufen: Halle, es war in Halle. Das ist kein Gebäude, sondern eine Stadt. 

Und warum sollte ein Syrer eine Moschee angreifen? Das ergibt keinen Sinn. Vor allem, weil es eine Synagoge war. Aber es war ein Düüütscher. Ein Nazi!!! Ein Antisemit. Er hatte leider keine Ladehemmung. Höchstens sein Gewehr. Aber meines Wissens scheiterte er am Türschloss der Synagogeneingangstür. Und er ist auch nicht der mutmaßliche Täter, denn das Video hat er selbst gedreht und da sieht man seine Nazifresse. Doch die beiden waren schon beim nächsten Aufregerthema.

Frau 1: Wie heißt die Göre da aus Stockholm?

Frau 2: Ähm. Mhhh. Ach, Du meinst die 14-Jährige?

Frau 1: Ja. Die ist ja auch nicht konsequent. Die ist doch nach New York mit dem Schiff, weil sie nicht fliegen wollte. Aber Schiff ist doch noch viel schlimmer. 

Frau 2: Nein, deren Boys sind geflogen, deswegen. 

Frau 1: Ach? Deren Boys, aha. Ja. Die Jungen sind halt auch doppelmoralig, wenn sie dann auf den Schulausflug mit dem Flugzeug gehn. 

Ja, Letzteres hat was. Aber die Göre, die im übrigen Greta Thunberg heißt, war nicht auf nem Schulausflug. Und das Schiff war ein Katamaraaaaahan!! Und sie kann auch wenig dafür, wenn die versammelte Journaille und Entourage geflogen ist. Was Scheiße ist, aber nun mal passiert und bis zu einem gewissen Grad unvermeidbar. Ihre Boys waren es aber sicher nicht. Und sie ist sechzehn und nicht vierzehn, Herrgott nochmal! Man kann von ihr halten, was man will. Aber bei den Tatsachen bleiben, ist doch nicht zuviel verlangt ihr dumpfbackigen Schnepfen! 

Aber sie waren schon beim Thema Billigflüge.

Frau 2: Nach Italien haben wir 340 Euro pro Person gezahlt.

Frau 1: Ja, das ist billig.

Frau 2: Billig für den Zug?

Frau 1: Ja, sag ich ja, ziemlich teuer für Zug nach Italien. 

Ähm, wenn ich mal intervenieren...

Nein, durfte ich nicht. Denn sie waren bereits dabei, Veganer durch den Kakao zu zieh’n, die Saftigkeit von Äpfeln anhand deren Farbe zu analysieren und zu debattieren, wie bescheuert sich der Enkel von Therese immer aufführe, hätten halt keine Bildung die Jungen heutzutage. Bitte? 

Frau 2: Ich verstehe nicht, wieso das wie Käse oder Würste aussehen muss. Na, ich bin froh, dass ich den Dreck nicht essen muss. Aber dieses, na, wie heisst das gleich wieder, dieses Geschnetzelte vom Coop…

Frau 1: Tofu?

Frau 2: Nein, dieses Quor oder so, das hab ich gern.

Frau 1: Kenn’ ich nicht. 

Hier erschloss sich mir einiges. Vermutlich haben die beiden ein bisschen zu viel Fleisch gegessen. Roh und blutig. Gammelfleisch mit Antibiotika versetzt. Mit genmanipuliertem Gemüse als Beilage. 

Kurz vor Konstanz konnte ich dann doch nicht mehr an mich halten und hörte mich sagen: 

Wenn ich kurz die Fakten aufzählen dürfte:

Halle-Synagoge-Nazi-Deutscher-standhafte Tür-der Täter steht fest-Greta Thunberg-16 Jahre-Katamaran-auf dem Weg zu den Vereinten Nationen-Journalisten im Flieger…

… und Veganes soll vor allem so schmecken wie. Und neeeiiin, Äpfel sind nicht automatisch saftiger je roter ihre Schale. Gibt es irgendein Thema, von dem ihr dummen Hühner etwas versteht?

Natürlich sagte ich das alles nicht. Oder nur so vor meinem inneren Ohr, ich feiges Weichei.

Eine der beiden wurde später in Konstanz um ein Haar über den Haufen gefahren, weil sie seelenruhig, als Einzige, die Straße bei Rot überquerte. Und zwar zweimal hintereinander, während allen anderen das Entsetzen ins Gesicht geschrieben stand. Ich fragte mich, ob ihr Fast-Tod unter Versuch einer natürlichen Auslese zu verbuchen sei. 

Nach meinem Termin erstand ich im Drogeriemarkt ein paar günstige Kosmetikartikel und Nahrungsergänzungsmittel, die vermutlich wirkungslos bleiben, die ich mir aber bei diesen Preisen einfach nicht entgehen lassen konnte. Dann ging ich zu Karstadt auf die Toilette. Im 2. Stock lief mir mein Exfreund über den Weg.

Er: Gut siehst du aus.

Ich: Alt bist du geworden!

Eine imaginäre Unterhaltung, denn als ich näher dran war, merkte ich, das er’s gar nicht ist.

Ich bekam Hunger und ging zum Hafen: Seit zwei Wochen hatte ich erfolgreich und ohne Mühe auf jegliche Fleisch- und Wurstware verzichtet. Und dann bestellte ich, wie auf Autopilot, zwei Weißwürste. Erst als ich die erste Wurst schon intus hatte, fiel mir das auf. Dazu hatte ich mir ein Schwarzbier gekauft. Die kleinste erhältliche Größe: ein halber Liter!

Als das Glas leer war, fühlten sich meine Glieder an wie Blei. Als sei das kein Schwarzbier, sondern ein halber Liter Eiseninfusion gewesen. Ich war unfähig aufzustehen. Nach einer halben Stunde Ausnüchterung, schleppte ich mich 300 Meter weiter ins nächstgelegene Café und bestellte mir einen Kaffee.

Und dann setzte sich ein Sänger vor uns hin und gab It's a wunderful life von Black (den Interpreten musste ich googeln – tolle digitale Welt, früher hätte man warten müssen, bis er einem wieder einfällt) zum Besten. Ich fühlte mich in die 80-er des letzten Jahrhunderts zurückversetzt. Süße Jugend.

Danach sang er Nothing else matters von Metallica und ich dachte: Genau! Nothing matters. Scheiß doch der Hund drauf. Und dann überlegte ich, ihn später anzusprechen und vielleicht würde eine Freundschaft draus. Oder eine neue Liebe. Ich könnte bei ihm einziehen und mein Wohnungsproblem wäre vor der drohenden Sanierung und zu erwartenden Mieterhöhung gelöst. Doch dann sang er Don't worry, be happy und das war mir nun doch zu optimistisch. Und Sweet Home Alabama ist auch bisschen weit für einen Umzug. 

Ich bin mein Hotel California.

Und der Sänger sah sowieso nicht so dolle aus. Von einer Stimme allein wird man schliesslich nicht satt. Und überhaupt, wieso hielt ich nach einem Mann Ausschau, wo ich doch über jeden, den ich wieder los bin, heilfroh bin? Halleluja. Und ohne Flachs sang er das dann auch und dann war wirklich Zeit ‘n Abgang zu machen.