Freitag, 3. April 2020

Der neue DreckSack ist da

Corona hat uns etwas ausgebremst, aber nicht verhindert: Der neue DRECKSACK ist da! Diesmal mit den folgenden Autoren:
Gerd Adloff, Eric Ahrens, Michael Arenz, Florian Günther, Elizabeth Gurley Flynn, Jürgen Heymann, Katja Horn, Jiri Kandeler, Harald Kappel, Susann Klossek, Jochen Knoblauch, Patrick Krause, Alexander Krohn, Clint Lukas, Klaus Märkert, Matthias Merkelbach, Thomas Meyer-Falk, Thowald Proll, Niklas Rokahr, Rüdiger Saß, Frank Schäfer, Katrin Schings, René Seim, Nicola Seitz, Erik Steffen, Silke Vogten.
Fotografien: Birgit Buchholz
Das Inhaltsverzeichnis findet ihr hier:
www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/aktuelle-ausgabe/

Sonntag, 29. März 2020

COQKUS: Kunst und Kultur in Zeiten von Corona

COQKUS


Der Quarantäne-Kultursender von Thalwil ist online gegangen. Schaut doch mal vorbei oder macht am besten mit. Kauft Bücher, CDs, Kunstwerke von lokalen Künstlern. Bucht sie für Veranstaltungen nach Corona, damit sie 2020 überhaupt oder wenigstens 2021 wieder etwas verdienen. DANKE

Sonntag, 8. März 2020

Internationaler Frauentag 2020


Ich grüße alle Frauen. Schluss mit physischer und psychischer Gewalt gegen Frauen!

Auf dass uns auch endlich gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zuteilwird. Steht auf für gleich viele Frauen wie Männer in Geschäftsetagen, Vorständen, Parlamenten usw. Dass Care-Arbeit (Kinder, Kranke, Alte; putzen, einkaufen, kochen) endlich bezahlt und als Arbeit anerkannt wird und gleich aufgeteilt wird zwischen Mann und Frau. Frauen steht genauso viel Freizeit zu wie Männern, damit sie sich gleichberechtigt erholen und verwirklichen können und weniger an Erkrankungen leiden, die aufgrund von Stress und Überbelastung entstehen. 

Ich grüße alle Frauen und fordere sie auf dafür zu kämpfen, dass bei Produktentwicklung und Design endlich die zweite Hälfte der Menschheit mit einbezogen wird. Für weibliche Crashtest Dummies beim Autobau, damit Frauen bei einem Unfall nicht zu 47% häufiger als Männer schwer verletzt werden und zu 17% öfter sterben. Für Autositze und Kopfstützen, die an weibliche Körper (kleinere Größe, weniger Muskelmasse, dünnere Haut) angepasst sind. Für Gurte, die über Brüste und schwangere Bäuche passen und trotzdem noch sicher sind. 

Für Verkehrs/Infrastrukturentwicklung, die an die Bedürfnisse von Frauen angepasst sind (mehr Care-Arbeit, ergo mehr und andere Wege, größere Nutzung von ÖV; sichere, andere Wege als Männer z.B. nachts.)

Für Arbeitsgeräte (ob in der Landwirtschaft, Industrie oder beim Tablet), die in Frauenhände passen, die der Kraft von Frauen angepasst sind und damit zu weniger Arbeitsunfällen und besserer Produktivität führen.

Für sichere Arbeitskleidung und Uniformen, inkl. schusssicherer Westen, die Frauenkörpern angepasst werden und nicht einfach für kleinere Männer konzipiert sind. Für an anders gebaute Frauenfüße (höherer Spann, andere Achillessehne) passendes, sicheres Arbeitsschuhwerk. Frauen haben auch eine kürzere Schrittlänge, können weniger Lasten tragen, verteilen die Last beim Tragen anders als Männer. Selbst beim Marschieren beim Militär gilt die männliche Norm, was zu schwerwiegenden, gesundheitlichen Problemen bei Frauen führt. 

Für Entwicklungshilfe, die die Frauen bei der Entwicklung, z.B. von gesunden Herden, einbezieht und zwar BEVOR etwas designt wird. Nicht die Frau muss sich an die Technik anpassen, sondern die Technik muss an die wirklichen Bedürfnisse der Benutzerin angepasst werden.

Vergessen wir all die Mädchen und Frauen in all den Ländern nicht, in denen Gleichberechtigung noch gar nicht existiert. All die abgetriebenen oder getötenen Mädchen, in Ländern, in denen das weibliche Geschlecht ein Todesurteil bedeuten kann, wo Frauen weniger wert sind als eine Kuh oder ein Kamel, wo aus traditionellen oder religiösen Gründen Mädchen beschnitten, Frauen vergewaltigt, geschlagen, gefoltert und getötet werden. Wo Mädchen keine Rechte und keinen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung haben. An Länder, wo die Frau unterdrückt wird und dem Mann Untertanin zu sein hat. 

Ich grüße alle Frauen, schließen wir gemeinsam die Jahrtausende alte Datenlücke, die Frauen in Kunst, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, bei Erfindungen usw. kontinuierlich ausgeblendet hat und unter den Tisch fallen ließ. Es gab nicht weniger geniale, kluge, kreative Frauen als Männer, man ließ sie nur nicht zu an Universitäten und Forschungszentren und hat sie nicht ernst genommen. Manche bahnbrechende Erfindung/Entdeckung oder manches Kunstwerk von Frauen rissen sich Männer z.T. unter den Nagel und gaben sie als ihre aus. Die Geschichte ist lückenhaft und muss neu geschrieben werden.

Steht auf für gleichberechtigte Erwähnung und Abbildung von Mädchen und Frauen in Kinder-, Schul- und Lehr- und Geschichtsbüchern. Selbst bei Trickfilmen, Comics usw. kommen weibliche Figuren nur zu einem Bruchteil vor. In Film- und Fernsehen ist der Anteil weiblicher Hauptfiguren viel kleiner als jener an männlichen. Frauen haben immer weniger Text. Drehbuchautorinnen, Regisseurinnen usw. werden um ein Vielfaches weniger berücksichtigt bei Förderungen. 

Frauen interessieren sich nicht für IT oder die Nutzung moderner Technologie? Falsch. Doch Videospiele z.B. ignorieren die Bedürfnisse von Frauen rigoros. Avatars sind meist männlich. Inhalte immer vom männlichen Blickwinkel aus konzipiert. Zudem sind sie nicht selten sexistisch/frauenfeindlich. Virtual Reality Brillen/Headsets passen Frauen einfach nicht, sie sind zu groß. Frauen nehmen zudem räumliche Tiefe anders als Männer wahr. Männer richten sich nach der Bewegungsparallaxe, Frauen nach der Oberflächenschattierung. Dreimal dürft Ihr raten, auf welche Weiterentwicklung mehr Wert gelegt wird! Frauen leiden daher viel häufiger unter Kinetose (Reisekrankheit). Wir sind nicht weniger interessiert. Wenn es uns aber schlecht wird oder uns die Brille vom Kopf rutscht bei der Nutzung der Technologie, lassen wir’s bleiben. Wer würde das nicht? Dann ist die Technologie für die Tonne - für mindestens die Hälfte der Nutzer. 

Daten, auf denen Künstliche Intelligenz beruht, sind ebenfalls sehr lückenhaft. Frauen sind daher auch bei vielerlei Software benachteiligt. Ein Beispiel von vielen dafür ist die Sprachsteuerung. Die Systeme sind so programmiert, dass sie männliche, tiefe Stimmen viel besser erkennen. Bei der Bestellung von Ware über Siri mag das noch unproblematisch sein, im Straßenverkehr, bei der schnellen Diagnosefindung, bei Notrufen, digitaler medizinischer Behandlung usw. kann das aber durchaus die Entscheidung über Leben und Tod bedeuten. 

Algorithmen entscheiden auch darüber, wer eingestellt wird oder wer nicht, wer einen Forschungszuschuss bekommt oder nicht, wer ein guter Kunde ist oder nicht, wer eine Wohnung bekommt oder nicht. Und wie sind die programmiert?

Während es in der Sprache bei gendergerechter Benennung, z.B. bei der Berufsbezeichnung, noch mächtig hapert, werden einzelne Begriffe aber gerne genderspezifisch ausgelegt: So gilt der Begriff teamfähig bei einem Mann als Führungsqualität, bei der Frau wird er aber gerne so verstanden, dass sie eher Mitläuferin ist. Männliche Universitätsangestellte werden oft mit den Begriffen herausragend, bemerkenswert und genial beurteilt und damit suggeriert, sie seien intelligenter und leistungsfähiger als ihre Kolleginnen. Professorinnen hingegen wurden viel häufiger als böse, grob, unfair, streng und nervig beurteilt. Sind sie das tatsächlich? Sicher nicht. 

Frauen kämpft für genderbezogene Forschung, vor allem in der Medizin. Die Frau ist kein 1,70 großer und 70 kg schwerer Mann. Diesen Durchschnittstypen als Maß aller Dinge bei der Forschung zu nehmen, kann tödliche Folgen haben. Frauen sind nicht die Abweichung von der Norm oder einfach anders. Frauen sind zu gleichem Anteil ebenfalls die Norm und genauso relevant wie jeder Mann. 

Diese Hälfte der Menschheit hat aber einen anderen, komplexeren Hormonhaushalt. Wir haben einen Zyklus und reagieren daher anders und zyklusbedingt auch innerhalb des Monats anders auf Medikamente. Viele Medikamente wirken zu stark, anders oder gar nicht bei Frauen. Die spezifische Wirkung einer riesigen Zahl an Medikamenten auf Frauen ist schlicht unbekannt. Frauen leiden daher viel häufiger unter Nebenwirkungen und deren Folgen als Männer. Auch Narkosemittel und Chemotherapeutika werden geschlechtsneutral verabreicht und bei Frauen daher nicht selten überdosiert.Frauen haben mehr Fettgewebe, weniger Muskeln, andere Enzyme kommen zum Einsatz, der Darm ist schlanker, verdaut länger, der Stoffwechsel ist langsamer. Medikamente bleiben länger im Körper und wirken anders.
 Ein Herzinfarkt bei Frauen geht fast nie mit den typischen, als Norm festgelegten, Symptomen einher und bleibt daher oft unerkannt. Auch, weil es oft nicht interessiert. Die Folge: Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen. Auch Diagnose- und Heilungsverfahren sind auf den Mann abgestimmt. Unsere Symptome sind nicht atypisch. Sie sind geschlechtspezifisch anders.

Wir haben eine kleinere Leber, die Medikamente (oder Alkohol) anders und langsamer abbaut. Wir sind bis in die Zellstruktur anders. Medikamente wurden oder werden noch fast immer an Männern getestet. Geforscht wird fast immer mit männlichen Zellen (oder männlichen Tieren). Führt eine Studie mit diesen Zellen/Tieren zu keinem Ergebnis, wird sie in der Regel eingestellt, obwohl für die Hälfte der Menschheit ein wirksames Medikament das Ergebnis sein könnte.

Die Warteschlage vorm Damen-WC ist deshalb so lang, weil Toiletten für Frauen und Männer die gleichen Quadratmeterzahlen aufweisen. Das sieht nach Gleichberechtigung aus, ist in Wahrheit aber Diskriminierung. Denn auf diesen Platz passen natürlich viel mehr Urinale als abgetrennte Kabinen mit Schüsseln. Selbst was gut gemeint ist, benachteiligt Frauen oft. 

Die durchschnittliche Raumtemperatur in Büroräumlichkeiten ist für Frauen zu niedrig, weil sie dem Stoffwechsel des Durchschnittsmannes angepasst ist. Manche Sachen, wie diese, nerven bloß, andere bedeuten aber mitunter Gefahr für Leib und Leben von Frauen. Das kann nicht länger hingenommen werden!

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten müssen endlich berücksichtigt werden, damit diese riesige Wissenslücke geschlossen wird. Der Mann ist nicht der Prototyp des Menschen. 

«Die Vorstellung der Welt ist, wie die Welt selbst, das Produkt der Männer: Sie beschreiben sie von ihrem Standpunkt aus, den sie mit dem der absoluten Wahrheit 
gleichsetzen.»

Simone de Beauvoir

Liebe Frauen - und Männer - bleibt schwierig und unangepasst! Und: Nicht den Männern ihre Vorteile neiden, sondern den Frauen zu gleichem Recht verhelfen. 

(Quelle: «Unsichtbare Frauen» von Caroline Criado-Perez und die darin zitierten Studien)

Mittwoch, 4. März 2020

Leipzig liest


Während der 
Leipziger Buchmesse
 lese ich u.a.  

ACHTUNG: Aufgrund der Absage der Leipziger Buchmesse und der dazugehörenden Veranstaltungsreihe Leipzig liest, wurde auch meine Lesung in der Galerie Artae vom 12.3.20 abgesagt.

Sie wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. 

Die Lesung am 11.3.20 im Tanzcafe Ilses Erika wird wie geplant stattfinden. 

Dienstag, 3. März 2020

Literarischer Monat



Die neue Ausgabe des Literarischer Monat, dieses Mal zum Thema Rückzug, ist draussen. Mit einem Einführungsartikel von mir zum Thema Einsamkeit (der Schreibenden). 

https://literarischermonat.ch/no-country-for-old-cows/ (wer wissen will, wie es weitergeht, der abonniere oder kaufe das Magazin - später werden Artikel auch komplett freigeschaltet.)

Donnerstag, 20. Februar 2020

Franz Dobler zu Zurück aufs Eis

liebe Susann,
ich lese immer wieder in deinem Eisbuch mit Malorny und es gefällt mir wirklich sehr gut. ich kann lachen, was lernen, erstaunt sein, was will man denn mehr - und, verdammt, komme sogar vor mit einem Spruch, den ich jetzt ziemlich passend und sogar weise finde... 

… jedenfalls glaube ich wirklich, dass dieser lange intelligente Briefwechsel in 100 Jahren ein wichtiges Dokument sein wird, how to be a writer and citizen in Germany in den 2010er Jahren, das klingt irgendwie bescheuert, aber ich meine das ernst.

Das Buch kann bei mir bestellt werden. Und bei Hartmuth, im Buchhandel, online und im Laden. 

Mittwoch, 19. Februar 2020

Fräulein Frank liest - Lesungen Leipzig / Buchmesse

DIESE VERANSTALTUNG FINDET TROTZ ABSAGE DER LEIPZIGER BUCHMESSE UND CORONA WIE GEPLANT STATT.

Vor meiner Lesung am 12.3. in der Galerie ARTAe in Gohlis gibt's noch einen fröhlichen Abend im TANZCAFÉ ILSES ERIKA

Line-up:
Sari Sorglos (Mitglied der Lesebühne Kunstloses Brot)

Marcus Mötz (Videojournalist | liest aus seinem Debütroman Sucsex)

Leoni Richter (aufstrebende Slampoetin aus Halle)

Nicole Frank (Gastgeberin | steht auf Seelenstriptease)

Eileen Mätzold (Vollblutgermanistin und Ophelia-Liebhaberin)

Susanne Grohmann (Kreativtrainerin | Einführung in die Geschichte der
Menschheit, die im Jetzt endet.)

Jelena (Germanistik-Studentin)

Susann Klossek (Zürich, ursprünglich aus Leipzig | Autorin, Journalistin, freie Künstlerin |aktuelles Buch: "Zurück aufs Eis - Wie man keinen Roman schreibt" | Und ihr Buch "Varanasi - Endstation Ganges" passt übrigens super zu unserem schreibenden Ganesha
Musik: Tinnef und Kaputtnik (Acoustic Electric) http://bit.ly/zufrieden_in_wien_tinnefundkaputtnik
Einlass: 19:30 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr


Eintritt: 6,00 Euro
Adresse: Bernhard-Göring-Straße 152, 04277 Leipzig


Samstag, 15. Februar 2020

Tropenfieber

Steht die nächste exotische Reise in die Ferne an? Tropenfieber gibt's jetzt auch direkt im BoD-Buchshop online. Da bekomme ich mehr Autorenrabatt. Also falls es jemand bestellen möchte, der tue das doch gerne 


Donnerstag, 13. Februar 2020

Donnerstag, 6. Februar 2020

Buchmesse Leipzig 2020


UPGRADE: AUFGRUND VON CORONA UND ABSAGE DER BUCHMESSE LEIPZIG 2020 UND DER VERANSTALTUNGSREIHE LEIPZIG LIEST WURDE DIESE LESUNG GECANCELT. SIE WIRD ZU EINEM SPÄTEREN ZEITPUNKT NACHGEHOLT.

DIE LESUNG AM 11.3.20 IM TANZCAFE ILSES ERIKA WIRD WIE GEPLANT DURCHGEFÜHRT.

LESUNG IN DER GALERIE ARTAE LEIPZIG
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2020 lese ich gemeinsam mit 
Mayjia Gille 
die Auftaktlesung zur Messe
 in der Galerie ARTAE
Donnerstag, 12. März 202
19:00 Uhr
Showroom der Galerie ARTAE
Menckestrasse 3 Leipzig


Mittwoch, 5. Februar 2020

Zum 85. von Jürgen Ploog

Einer ploog über mein Kuckucksnest

Ich weiss noch, als ich Jürgen Ploog an einem kalten Winterabend in Frau Gerolds Garten in Zürich anlässlich einer Burroughs-Lesung das erste Mal traf. Wer Naked Lunch als Theaterstück übersteht, der kann es auch getrost mit Ploog aufnehmen, ging es mir durch den Kopf, als ich Herrn X. für die Lesung zusagte. Vielleicht wars auch Sommer, die sind in der Schweiz mitunter wie anderswo der Winter. Alles in allem habe ich eher verschwommene Erinnerungen an diese Nacht. Es muss so vor zehn Jahren gewesen sein. Oder vor fünfzehn. Vielleicht auch vor fünf, denn da wäre Ploogs Busenfreund Burroughs 100 Jahre alt geworden, der mit dieser Lesung geehrt werden sollte. 

Als ich Frau Gerolds Garten durch die Vordertür betreten und mich vorgestellt hatte, schob mich irgendein Angestellter zur Hintertür wieder raus, hinter der ein Wohnwagen für die Künstler stand. Mit einer Handbewegung wies er mich an, selbsttätig in selbigen einzutreten. Ich tat wie mir geheissen und betrat einen rauch- und rotlichtgeschwängerten Raum, der ein bisschen aussah, wie ich mir eine old fashion Verrichtungsbox vorstellte. In der linken Ecke sass Herr X. auf einem Sitzkissen und sprang zu meiner Begrüssung freudig auf. In der rechten Ecke sass der grosse Ploog in Trenchcoat und mit Hut. Ein Gentleman, ein Sunnyboy oder irgendwas dazwischen. 


Irgendwo sass, soweit ich mich erinnere, eine junge Frau. Es könnte Frau Y. gewesen sein oder irgendeine andere Hübsche. Vielleicht war auch keine weitere Frau anwesend und ich erblickte mich im Spiegel, mit Sicherheit kann ich es nicht sagen. 

«Das ist die grossartige Frau Klossek», sagte Herr X. zu Jürgen «und das ist Jürgen Ploog», sagte er zu mir. Ich wusste, dass das Jürgen Ploog ist, der mich mit einem Blick anschaute der sagte: Muss man die kennen und wenn ja, mir doch egal. 

Beide – oder alle drei – hatten Gläser in der Hand, in denen Tee, Whiskey, Wasser oder sonst irgendeine Flüssigkeit waberte, ich kann es nicht sagen. Jürgen hatte etwas aus der Zeit Gefallenes, was mir sehr gefiel. Die Konsequenz, mit der er mich ignorierte, war bewundernswert. 

Wir unterhielten uns oder auch nicht. Ich weiss, dass ich etwas sagte und dass Jürgen etwas sagte, aber das muss nicht zwangsläufig heissen, dass wir miteinander sprachen. Dann begann die Lesung. Im muschepupuigen Dämmerlicht einer alten Nachttischlampe las Herr X. irgendetwas und Jürgen Ploog – noch immer in Mantel und Hut – las irgendetwas.

Auch ich, soweit ich weiss. Obwohl ich das mit Sicherheit nicht sagen kann, denn in meiner Erinnerung sitze ich im Publikum. 
Inhaltlich ist mir nichts geblieben, aber da es um Burroughs ging, kann es nur etwas mit Drogen und Lemuren zu tun haben. Cut-up lässt sich sowieso schwer merken, finde ich. Ploogs gute Schreibe kannte ich, weil ich sie gelesen habe. Meine Schreibe kannte er nicht, weil er sie nicht gelesen hat. 

Irgendwann im Laufe des Abends stand ich vor der Tür des Lokals und rauchte, obwohl ich Nichtraucher bin. Neben mir ein Arbeitskollege, der mir gerade noch gefehlt hatte. Im Schummerlicht der Strassenlaterne sah es auch, als habe er einen Heiligenschein. Wer ihn kennt weiss, eindeutig eine Sinnestäuschung meinerseits. Herr X. kam abhanden. Wie mein Verstand, in dieser Nacht, die im Nebel der Stadt waberte wie Waldmeister-Götterspeise, die man mit Absinth versetzt hatte. Ich hob mein Glas auf Burroughs und auf Ploog, der in diesem Moment in die Dunkelheit abging, sich aber wie Columbo nochmal umdrehte, als wolle er «Nur noch eine Sache» sagen. Ploog winkte aber ab und verschwand. Cut.



Hinweis:


Cut-up Connection – ein Abend für Jürgen Ploog

Mit Claire Plassard, Pablo Haller und Florian Vetsch

Aus Anlass des 85. Geburtstags des Autors lesen Claire Plassard, Pablo Haller und Florian Vetsch Texte von und zu Jürgen Ploog.

Im Anschluss daran wird als Late Night Show das Ploog-Filmporträt von Daniel Guthmann «Cut-up Connection oder Die Algebra des Überlebens» (1998) aufgeführt; der Regisseur ist anwesend; dazu gibt es braunen Tequila mit Orangenschnitzen und Zimt frei Haus.

Eine Ausstellung zeigt Erstausgaben von Jürgen Ploog, ohne den es die deutschsprachige Pop- und Beatliteratur so nicht gäbe.

7. Februar 2020 - 20:00

Kult-Bau, Konkordiastrasse 27, St. Gallen, C

https://www.kultbau.org/

Bild: Veranstaltungshinweis Cut-up Connection, eventfrog (vermutlich ein Werk von J.Ploog)






Montag, 20. Januar 2020

Neulich im Zug



Neulich in der S-Bahn, im Nebenabteil zwei Girls (so 19/20) streiten sich:

Girl 1: "Das heisst Nestea" (spricht es korrekt engl. aus)
Girl 2: "Nestiii, so en Seich. Nästle sagt man!"
Girl 1: "Spinn ich jetzt, das heisst doch Nestiii."
Girl 2: "Nestle. Nestleeee."
Beide schütteln den Kopf und beginnen wie wild zu googeln.
Girl 1 wird zuerst fündig: "I sägs doch, Nestea" (zeigt Girl 2 das Handy.
Ich: Es gibt beides. Nestlé ist der Saukonzern, Nestea das Getränk. Von Nestlé.
Girl 2: "Säg i ja. Nestle.
Girl 1 (hält das Handy Girl 2 hin): "Chasch nöd läse? Nestea!"
Girl 2: "Wo ist denn da das 'i'? Man sagt Nestle, sonst müsste man ja T E A (spricht es wie den Frauennamen aus) sagen!"
Ältere Dame mir gegenüber, die schon länger die Augen verdrehte, rastet kurz aus: "Mein Gott, TEA ENGLISCH FÜR TEE!!!"
Beide schaun zu uns rüber, dann sich wieder an, Girl 2 zu Girl 1: "Du häsch äbe Näääästi gesagt, das meinte ich. Hast du schon das Schockvideo unter 'Don't fuck with cats gesehn?"
Ältere Dame zu mir: "Und sowas will die Welt retten! Von tuten und blasen keine Ahnung!"
(Anmk.d.Red.: Von blasen vermutlich schon.)


Samstag, 4. Januar 2020

Der neue DreckSack ist da

Neues Jahr - neues Glück. Und schon ist der neue DreckSack frisch ab Presse zu haben. Und er wird passend zu neuen Jahrzehnt heuer schon 10 Jahre:

Das alte Jahr vergeht, aber der DreckSack bleibt und feiert 2020 seinen 10. Geburtstag mit neuem Papier und modifizierten Farben. Ein Film ist in Arbeit und eine Sondernummer, die voraussichtlich im Juli erscheint. Wir haben also wieder einiges vor. Die beteiligten Autoren der Januarausgabe sind diesmal:

Michael Arenz, Dirk Bierbaß, Marvin Chlada, FatimaDjamila, Klaus Geelhaar, Jörg Herbig, Jan-Eike Hornauer, Susann Klossek, Marina L., Matthias Merkelbach, Thomas Meyer-Falk, Marcus Mohr, Jürgen Ploog, Robsie Richter, Michael Schweßinger, Erik SteffenDie Fotografien sind von: Michael Dressel (Los Angeles)

Das Inhaltsverzeichnis findet ihr hier:
www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/aktuelle-ausgabe/

Erhältlich ist der DreckSack hier:
https://www.edition-luekk-noesens.de/shop-1/drecksack/


Die Release-Lesungen finden am 18. Januar um 20 Uhr im Goldenen Hahn (Kreuzberg) und am 7. Februar um 19 Uhr im Baiz (Prenzlauer Berg) statt. Die Vortragenden sind noch nicht ermittelt, werden aber rechtzeitig bekanntgegeben.

Wir wünschen euch/Ihnen allen ein gutes neues Jahr!
Die DreckSack-Redaktion

Weitere Infos:
https://www.edition-luekk-noesens.de
https://www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/
https://www.facebook.com/drecksackberlin