Samstag, 18. Februar 2012

KUNST





Die Aufgabe der Kunst ist es, Fragen aufzuwerfen und nicht,
Antworten zu geben. Kultivieren Sie einen gewissen Ekel vor
und Widerwillen gegen das Leben. Er ist eine unabdingbare
Voraussetzung für wahrhaft künstlerisches Schaffen. Sagen
Sie die Wahrheit, ersaufen Sie nicht in zu viel Rücksicht und
Toleranz. Auch wenn man Sie dafür hasst und Ihre
Einsamkeit wachsen wird.

Hinterlassen Sie, wenn möglich, ein paar prägnante Spuren
zu Lebzeiten, sonst wird Ihnen posthum der Erfolg versagt.
Voraussichtlich werden Alkohol und Drogen schwer zu
umgehen sein. Sein sie ruhig auch ein wenig parasitär.
Pumpen Sie Ihre Freunde an. Verabschieden Sie sich von
Ihren Schuldgefühlen. Ein vorübergehender Aufenthalt in
einer geschlossenen Anstalt kann Ihrem Lebenslauf
durchaus zuträglich sein. Sie dürfen sich nur nicht in der
Rolle des psychisch labilen Künstlers verlieren, dann wird die
Sache eher kontraproduktiv bis destruktiv. Versuchen Sie in
unproduktiven Krisenzeiten so gut es geht am Leben zu
bleiben. Ein toter Künstler produziert keine Kunst mehr. Das
wird Ihnen unsinnig erscheinen und Sie inmitten der Krise
nicht trösten, in Ihrer nächsten Schaffensperiode aber
mitunter von grossem Nutzen sein. Sie wissen nicht, ob die
Krise das Ende Ihres Schaffens oder der Anfang von etwas
ganz Grossem ist. Also sitzen sie die Krise aus und warten
Sie geduldig auf bessere Zeiten. Ihr momentanes Leid
schafft womöglich ein Kunstwerk von Weltrang.

Schaffen Sie Werke von Dauer. Fett-Filz-Installationen sind
eher ungeeignet. Denken Sie sich kryptische Werktitel aus,
die den Betrachter verwirren. Sein Sie ein Rätsel in Person.
Geben Sie es nach 40 auf, den Performancekünstler zu
mimen. Keiner wird sich daran erinnern. Arbeiten Sie stets
an Ihren Obsessionen. Sorgen Sie für einen spektakulären
Abgang. Das gilt auch für Nicht-Künstler.

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