Mittwoch, 12. Oktober 2016

Alliteration - ein Kommentar

(Bild: Haiku Deck)

Hier kannstes hören



Gestern Abend zappte ich ziellos durchs famose Fernsehprogramm und blieb hängen an der Synapsen auflösenden Sendung „Schwiegertochter gesucht“. Dass dort Leute die Liebe suchen, die auf dem Markt nicht so die tollsten Chancen haben, weil sie entweder nicht so schön oder intellektuell leicht unterbelichtet sind – meistens ist beides der Fall – ist mir eigentlich egal. Auch, dass sie sich manchmal kaum artikulieren können. Ich bin da relativ schmerzunempfindlich und denke mir: Ach, lass sie doch, die solln ruhig auch mal. 

Wenn ich dann aber die Stimme von der vermaledeiten Vera Int-Veen aus dem Off höre, wie sie die gute, alte Alliteration bis zum Erbrechen strapaziert, dann krieg ich doch schon mal ne Krise. Pardon, kausale Krise wollte ich sagen.


Da schwappt die Kamera vom sehenswerten Sachsen, wo sich die hitzköpfige Hundehalterin Hedwig und ihr Berner Sennehund Benny in die kräuselnden Kurzhaare kriegen, rüber zum quirligen Quintett am belanglosen Bodensee, wo der galante Großkotz Gabriel seine drei grazilen Grazien seiner müden Mutter bei strapazierfähigem Streuselkuchen vorstellt.


Und kaum habe ich diese schönen Sätze halbpatzig verdaut, kommt auch schon der Cut ins kolossale Königreich, wo sich Badenixe Beate auf einer thailändischen Tropeninsel zu später Stunde gerade zwischen dem hosenbeanzugten Hutträger Hartmuth und dem mähnenlosen Mähdrescherfahrer Manfred zu entscheiden versucht.


Später beim trauten Tête-à-tête mit dem kurligen Kurierfahrer Klaus aus dem klasse Kiel träumen die knallharten Konkurrenten von der atemberaubenden Amateurprostituierten PingPong, die sich im Laufe des Abends allerdings leider als lachender, lasziver Ladyboy entpuppt.


Im schönen Sauerland flirtet unterdessen die flinke Friseurin Froni – frisch geschieden von ihrem heiligen Hells Angel Hubert – mit dem läufigen Lederhosenfetischisten Lars. Dieser schiebt ihr spontan seine zuckende Zunge in ihr mopsiges Münchner Mündchen. Das sieht nach einer feuchtfröhlich, malerischen Maul- und Klauenseuche aus. Mir steht der abgestandene Angstschweiß auf der schneeweißen Stirn. Wer denkt sich bloss so eine blähende Bullenkacke aus? Sicher ein ganz schlauer Schwanz, ein räudiger Redakteur mit psychischen Problemen.


Doch da kommt schon der beleibte Brotliebhaber Bernhard und hält um die Hand seiner beanspruchten Busenfreundin aus dem blendenden Berlin an. Die kichert keusch und sagt: Nein. Da guckt der Bernhard bedröppelt. Doch da feixt die fesche Fiona, passionierte Puzzleliebhaberin, dummdreist daher, denn sie wittert wachsam ihre neue Chance, bei Bernhard leichtfüßig zu landen.


Ich gehe schwankend an den kühlen Kühlschrank in meiner kleinen Küche und schnapp mir allen Alkohol, den ich finden kann. Im taufrischen Thailand ist unterdessen ein neuer Tag angebrochen und der rastlose Rasenballliebhaber Rudi verabschiedet sich gerade von seiner turteligen Taube Trudi, die geistesgegenwärtig geheimnisvoll tat und den Kelch des Kurzarbeiters an sich vorbeigleiten ließ.


Gebissträgerin Gitta, Möchtegern-Modell aus dem moussierenden Magdeburg bleibt ihm erhalten, denn sie hat das multifunktionale Minigolftournier flink und famos für sich entschieden. Der lahme Kameramann Lothar grinst ein lasches Legionärsgrinsen.


Ich zappe zitternd durch den Äther. Salmonellen, höre ich nur noch. Sauertöpfische Salmonellen aus dem Saarland. Dann fliegt der brünstige Bernhard in seinen neuen Flip Flops auf die feudale Fresse. Finito!


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