Dienstag, 10. Juli 2018

Varanasi


Es ist schwierig, konzentriert zu arbeiten. Es ist schwierig, überhaupt zu arbeiten. Es gibt tausende von Ablenkungen. Abgesehen vom Lärm, der unablässig durchs Fliegengitter schwappt, bekomme ich permanent Besuch. Mal steht der Museumsdirektor aus Mumbai in meinem Studio, mal die Chefin vom Goetheinstitut aus Delhi. Sanskritschülerinnen und Institutsbesucher wollen sehen, was the artist in residence zustande bringt. Ich kann es Euch sagen: NICHTS.

Anstatt zu schreiben, habe ich angefangen zu malen. Aus Mangel an Material benutze ich Öl aus der Küche, Curry, Curcuma, Eier, die Reste meines Vitamin-B-Drinks. Momentan sind die Bilder etwas gelblastig. Die Pülverchen, die sich die Menschen am Holi-Festival ins Gesicht schmieren, eignen sich auch nicht wirklich, denn sie vertragen sich weder mit Wasser noch mit Öl. Ich kannte mal eine Malerin, die ihre Werke nur mit Wasser aus dem Vierwaldstätter See energetisierte, wie sie es nannte. Vielleicht lieβe sich etwas reiβen, wenn ich heiliges Gangeswasser verwende? Irgendwelche Eso-Fritzen finden sich immer, die auf solchen Schmarrn abfahren.

(Ausschnitt aus Varanasi - Endstation Ganges; das Buch erscheint 2019)

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