Montag, 6. Juli 2020

SOMMERLOCH



Die aktuelle Ausgabe des Literarischen Monats ist draussen. Dieses Mal zum Thema 

SOMMERLOCH

Die Ausgabe enthält:
  • frische Literatur fürs und rund ums Sommerloch,
  • eine Rückschau mit Macherinnen und Wegbegleitern des «Literarischen Monats»,
  • zahlreiche Kolumnen und Rezensionen neuerschienener Bücher.
Mit Beiträgen von Peter Stamm, Ronja Fankhauser, Daniela Dill u.v.m

Von mir gibt es auch einen Beitrag: 

Leider ist diese Nummer auch die letzte, weil sich Literartur für den Verlag nicht rechnet. Wer Ideen oder Ressourcen hat, ihn in anderer Form weiterleben zu lassen, gerne.

One night in Frankfurt - Part II


 
ONE NIGHT IN FRANKFURT - PART II
 
Die Frau ohne Unterleib war wieder in Frankfurt unterwegs:

Heute bog ich gleich ohne Umwege in die Kaiserstraße ein, ass ein opulentes Mahl beim Inder, dem ich beim Zahlvorgang sagte, dass mich das Essen an meine Zeit in Varanasi erinnert habe. Was gar nicht stimmt, was aber egal war, weil er zweimal nachfragte, was ich da fasele und dann die Unterhaltung mit einem resignierten "kenn isch nisch" beendete. Ich weiss auch nicht, warum ich das sagte, wohl um nett zu sein oder sowas. In der Tat erinnerte mich alles für einen kurzen Moment an Bangkok, weil die Luft so schwülwarm war und auf der Gasse so ein heiteres, knapp bekleidetes Multikulti-Tümmelvolk an mir vorbeiwaberte und ich dachte, dass ich unbedingt mal wieder weg muss. Weit weg. Aber dass ich eigentlich schon fast ein bisschen glücklich bin, jetzt hier unter Hesse z'hocke.

Den Verdauungsspaziergang - zuviel Paneer und Laan und Raita und Mangomus mit Kokoseis - unternahm ich runter zum Main. Stoisch standen die Banken in schwarzen Gewitterwolken. Ein Hinweis auf die nächste Bankenkrise? Wo stehen eigentlich meine Aktien? Sollte ich mir Nestlé zulegen? Eigentlich reicht es ja, wenn ich deren Produkte boykottiere.

Ich schoss Fotos von anarchischem, antifaschistischem und auch manch verqueren Gedankengut. Man wird hier an jeder Ecke fündig.

Drei Burschen mit blond gefärbten Dreadlocks folgten mir mit gebührendem Abstand. Sie kommen aus Äthiopien, wie sie mir alsbald mitteilten und Frankfurt sei die schönste Stadt, die es gäbe, was natürlich Ansichtssache ist und immer eine Frage des Blickwinkels und der Vergleichsmöglichkeiten, und einer wollte mit mir mitkommen. Ich war immer schlecht in Mathe, aber selbst ich schaffte es auszurechnen, dass ich nicht nur seine Mudda, sondern theoretisch sogar seine Großmutter sein könnte. Da hört der Spaß nun wirklich auf. Mein Kontingent für Frettchenverschleiß ist aufgebraucht. Auch wenn er wirklich hübsch und höflich ist und mir die Mär vom Alter, das keine Rolle spiele, vorsäuselte. "Wenn man einen Mann wirklich will..." "Genau!", unterbrach ich ihn. "Mann und wollen, zwei Grundparameter, die hier nicht wirklich zutreffen." Zum Glück verstand er mich nicht.

Zu viert spielten wir schließlich Tischtennis. Bei der steifen Brise ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Ich traf den Ball kein einziges Mal. "Da weißt du, wie es mir mit dir geht", sagte Aman. Ein Punkt für den jugendlichen Verführer.

Zum Abschied reichten wir uns die Hand und zogen sie gleichzeitig reflexartig zurück.
"Corona!" riefen uns seine Kumpel zu. Aber wie so oft, war es da schon zu spät.

Gemütlich schlenderte ich auf Gleis 1 durch den Bahnhof gen Hotel. Die einzigen, die mir begegneten waren der sturzbetrunkene Rotschopf, der vorhin noch auf der Kaiserstraße lag und jetzt an die Tür der Bahnhofsmission hämmerte und eine Maus, die ins nächstgelegene Loch entschlüpfte. Auf der Anzeigetafel stand Limburg. Was mich auf Tebartz-van Elst brachte. Ein Größenwahnsinniger, wie praktisch jeder von Rom gesandte. Gute Nacht.

One night in Frankfurt Part I


ONE NIGHT IN FRANKFURT - PART I

Nach einem anstrengenden Synchronisationskurs schmiss ich mich zwecks Nahrungsaufnahme in das Frankfurter Nachtleben.

Um von meinem Hotel in einigermaßen gemäßigte Gefilde zu gelangen, musste ich das berühmt berüchtigte Bahnhofsviertel durchqueren, vor dem mich meine Mutter in den letzten Tagen mehrfach inständig gewarnt hatte.

Ich war schon mehrmals in der Mainmetropole - einst griff mir ein Reisebuch-Autor ungefragt an den Walküren-Balkon, in Zeiten von metoo würde der heute vermutlich weggesperrt - hatte diese Besuche aber erfolgreich aus meinem Gedächtnis gestrichen.

Mit dem Ziel, die schlimmsten Bereiche zu umschiffen (beim Versuch selbiges zu erreichen hätte ich mich für den Rest meines Lebens mit harten Drogen eindecken können), geriet ich ausgerechnet in jene Gasse, die es tunlichst zu umgehen galt. Und ich meine nicht die Spielhallen, vor denen Säufer und sonstige Gestrandete herumlungern und Damen des horizontalen Gewerbes ihre übergrossen Vorbauten und prallen Gesässe willigen Freiherren zum temporären Erwerb anerbieten. (Zürichs Nutten weinen vermutlich vor Nostalgie in ihre Verrichtungsboxen.)

In erwähnter Seitenstrasse tummelten sich Junkies und Scheintote wie zu besten Zeiten des Zürcher Platzspitzes. Mein Schritt wurde schneller - und das will was heißen - meine Hand klammerte sich ans Täschchen und mit gesenktem Blick murmelte ich das Mantra "Bloss schnell weg hier" vor mich hin.

Eine eher schlecht gelaunte Mitbürgerin undefinierbaren Alters fühlte sich trotzdem irgendwie von einem meiner Blicke getroffen und schnauzte mich aus ihrem zahnlosen Mundwerk an, was ich blöde Fotze so zu glotzen hätte. Mir fiel auf den Schreck nichts Besseres ein als, schon profilaktisch zusammenzuckend, mit "Schnauze! Selber Fotze" zu antworten. Damit hatte sie wohl nicht gerechnet und liess mich mit einer ausladenden Handbewegung passieren. Ich bog rechts ab und stand vor einem Wolkenkratzer der Deutschen Bank. Größer konnte der Kontrast nicht sein. Ein Elend im Schatten des als architektonischen Kontrapunkt hingeschissenen anderen Elends.

Ich kehrte beim nächsten Thai ein und bestellte, nachdem ich einen Zettel mit Name, Adresse und Telefonnummer ausgefüllt hatte - die Stasi hätte Corona mit Handkuss begrüßt - ein Singha Beer und einen Lab Salat. Nach den ersten Bissen rief ich den Kellner.
"Entschuldigung, aber hier fehlt der Koriander."
"Ja."
"Was ja?"
"Koriander ist alle."
"Ein Thai Restaurant, das keinen Koriander hat, das hab ich ja noch nie erlebt."
"Wir haben welchen bestellt, aber er ist nicht gekommen."
"Aber im Oriental Market da drüben hat's jede Menge."
"Ja."
Der Kellner lächelte und entfernte sich rückwärts. Der Salat war auch ohne Koriander gut. Vor allem mit Schalotten und Knoblauch hatten sie nicht gespart. Gut, dass beim Synchronisieren nicht geküsst wird. Und auch der Mindestabstand hat durchaus Vorteile.

Später winkte ich ihn nochmals ran.
"Haben Sie Thai Desserts?"
"Thai Desserts?" er lachte, als hätte ich ihn um Beischlaf gebeten, "Thai Desserts, nein."
"Irgendwelche Desserts?"
"Wir haben keine Desserts."
"Ja dann. In dem Fall die Rechnung."
"Also wir haben gebratene Bananen."
"Nee, lassense mal."
"Wir haben eh auch keine Bananen. Kop khun krab."
"Ja, kop khun kha. Stimmt so."

Zwei Ecken weiter gönnte ich mir eine Kugel Mango Eis. Als ich leckend am Restaurant Der fette Bulle vorbeischlenderte, bat mich ein gutgelaunter Hesse um einen Blowjob, den ich dankend und bestimmt ablehnte, schließlich muss ich morgen Diane Keaton synchronisieren und kann keine Stimmbandüberlastungen riskieren.

Im Hotel zurück legte ich eine koreanische Rich Avocado Mask auf, mit der ich meine Mutter im WhatsApp Chat zu Tode erschreckte, weil sie dachte, ich sei bandagiert, weil man mir die Visage poliert hätte.

Beim Zähneputzen erblickte ich in der Scheibe der Dusche meinen Arsch und versuchte zu twerken. Um ein Haar hätte ich einen Bandscheibenvorfall verursacht.

Zum Tod von Ploog

In der FAZ
Er ruhe so, wie er es sich immer vorgestellt hat.

Mittwoch, 24. Juni 2020

Montag, 22. Juni 2020

DreckSack Extrablatt zum 100. von Bukowski

Am 16. August dieses Jahres wäre Charles Bukowski 100 Jahre alt geworden. Kaum ein anderer Autor hat junge Dichter/innen im deutschsprachigen Raum so beeinflusst wie er.
Aus gegebenen Anlass erscheint heute mit dem Extrablatt eine Sonder-Ausgabe des DreckSacks. Ich habe ihn in einem Rutsch durchgelesen, denn der Inhalt ist weit entfernt von all dem Schmarrn, der sonst oft über Bukowski veröffentlicht wird. Eine wirklich gute Nummer. Es lohnt sich, sie zu erstehen.
INHALT
Michael Schulte: BUKOWSKI IST SCHULD, DASS ICH IN HAMBURG LEBE (Erzählung)
Frank Schäfer: DAS GEKLAPPER – ÜBER CHARLES BUKOWSKI (Essay)
Gerd Adloff: RENNBAHN (Gedicht)
Florian Günther: NICHT NUR HEISSE LUFT – DER VERLEGER BENNO KÄSMAYR IM GESPRÄCH (Interview)
Jürgen Roth: VERZWEIFELT AM LEBEN (Buchbesprechung)
Roni: BUKOWSKIS FRAUEN (Essay)
Charles Bukowski: AMEISEN KRABBELN ÜBER MEINE BETRUNKENEN ARME (Gedicht)
Todd Moore: IM RING MIT BUKOWSKI (Erzählung)
Silke Vogten: BUKOWSKI VS. FLAUBERT (Gedicht)
Susann Klossek: BUKOWSKI UND DER BEAT (Reisebericht)
Signe Mähler: BESUCH AUS DEUTSCHLAND (Brief)
Thomas Kapielski: EIN INTERVIEW (Brief)
Jan Off: ALTERSWEISHEIT (Glosse)
Axel Klingenberg: EPIGRAMM AN CHARLES BUKOWSKI (Gedicht)
Clint Lukas: MEETING MARINA (Bericht)
Florian Günther: IM SCHATTEN DES MEISTERS (Gedicht)
Franz Dobler: FAKTEN (Gedicht)
Jerk Götterwind: EINS VOM VORFELD (Gedicht)
Katrin Schings: NASSE SCHLAFANZUGHOSE (Gedicht)
Hauke Schrieber: DICHTER UND DRECKSACK – AUF DER SUCHE NACH CHARLES BUKOWSKI (Reportage)
Michael Arenz: JACK, HENRY & BUK (Erinnerung)
Marvin Chlada: MEIN BUKOWSKI (Kritik)
Carl Weissner: DER GROSSE GRAUE MIT DEN GELBEN ZÄHNEN (Reportage)
FOTOGRAFIEN: Michael Dressel, Singe Mähler, Hauke Schrieber
Und hier kann man dat Extrablatt bestellen:
https://www.edition-luekk-noesens.de/shop-1/drecksack/

Freitag, 19. Juni 2020

The trustee


Gefunden beim Ausmisten, einst im Lincoln Underground, Nebraska veröffentlicht. 

Montag, 25. Mai 2020

Als es noch Live-Lesungen gab ...



Ein kleiner Mitschnitt einer Lesung aus Zeiten, in denen es noch Live-Lesungen mit Publikum gab. Hier: Im Tanzcafe Ilses Erika in Leipzig, organisiert von Fräulein Frank liest. 


Man möge die Qualität der Aufnahme (Handy) und der Lesenden (Nuschelnlallen after Biergebrauch) verzeihen. 


Neue Veranstaltungen von Fräulein Frank liest: Fräulein Frank streamt. Die nächste am 27.5.20 um 20:00 

(Foto: Freddy Köhler)

Freitag, 8. Mai 2020

Antrag abgelehnt


Diesen Juli lebe ich seit 30 Jahren in der Schweiz. Ich habe von Tag 1 an Steuern gezahlt, ich habe immer gearbeitet und nunmehr seit 30 Jahren lückenlos in die AHV (Renten)-Kasse eingezahlt. 2017 wurde ich nach einem Stipendiumsaufenthalt in Indien – wofür ich unbezahlten Urlaub nahm und mir versichert wurde, dass ich meinen Job danach noch habe – aus sogenannten ökonomischen Gründen am Tag meiner Rückkehr nach knapp 8 Jahren gefeuert. Meiner Bitte auf frühzeitigere Freistellung wurde nicht stattgegeben, die Zitrone wurde noch volle drei Monate ausgequetscht. Von einer Abfindung oder dergleichen ganz zu schweigen. 

Trotz intensivster Bemühungen ist es mir nicht gelungen, als Redaktorin/Produzentin über 50, als Frau, einen neuen Job in meiner oder ähnlichen Branchen zu finden. Ich wurde ausgesteuert. Auch als Arbeitslose und später in der kurzen Zeit als so genannte Erwerbslose habe ich lückenlos AHV eingezahlt. 

Notgedrungen – auch, um dem Staat auf keinen Fall auf der Tasche zu liegen – habe ich mich selbstständig gemacht. Ich habe Zeit und Geld investiert, bin dieses Risiko mit 53 eingegangen und habe mich bereits in den ersten sechs Monaten aus eigener Kraft ganz gut über Wasser gehalten. Dann kam Corona und sämtliche Projekte, geplante und gebuchte Veranstaltungen usw. wurden abgesagt, verschoben, auf Eis gelegt oder sind mittlerweile komplett gestorben. Seit 11. März kam bei mir nichts mehr rein. 

Umso mehr hat es mich gefreut, dass der Staat auch Angebote für Künstler/Kulturschaffende bereitstellen wollte. Ich habe unzählige Stunden, wenn nicht Tage damit verbracht Formulare auszufüllen, vergangene und künftige Einkommenseinbussen zu berechnen, Listen über meine Betriebsausgaben und meine Lebenshaltungskosten aufzustellen. Mehrfach wurde ich aufgefordert Unterlagen und Dokumente nachzureichen oder schriftliche Erklärungen zu verfassen, warum mein Vermögen in den letzten zwei Jahren geschrumpft ist. 

Ich habe unter anderem bei der SVA drei verschiedene Anträge gestellt – der Bund hat immer wieder in Sachen Kulturschaffender nachgelegt, Formulare/Bedingungen geändert. Die Anträge betrafen abgesagte Veranstaltungen (wie die Buchmesse, Lesungen usw.), geschlossene Lokale (keine Möglichkeit Kurse zu geben), abgesagte Projekte, also indirektes Betroffensein, da Auftraggeber in Schieflage geraten sind etc. pp. Alles traf auf mich zu. 

Ich habe in akribischer Kleinarbeit all diese Formulare nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt, die Hosen runtergelassen, Einblick in meine Steuerunterlagen, meine Buchhaltung und mein Sparkonto gewährt. In der Position des Bittstellers fühlt man sich nicht sonderlich wohl. 

Nach über sechs Wochen erhielt ich meinen ersten Bescheid. Die SVA hat meine Anträge mit der Begründung abgelehnt, ich hätte 2019 nicht genügend ahv-pflichtiges Einkommen generiert. Jene, die also am wenigsten verdient haben, gehen leer aus. Paradox. Das Einkommen (nach Abzug meiner Investitionen) war auch deshalb so gering, da ich erst seit 1.7.19 selbstständig bin und ein Geschäft erst aufgebaut werden muss und ich im Dezember als erste Amtshandlung gleich mal AHV für Selbstständige rückwirkend auf 6 Monate abdrücken durfte. Im Einkassieren sind alle immer ganz schnell. Ganz nebenbei war bisher jede meiner AHV-Rechnungen fehlerhaft. Zu meinen Ungunsten. 

Heute kam nun auch noch die Ablehnung meines Antrages auf Soforthilfe von Suisseculture Sociale. Ohne Angabe von Gründen und mit dem Hinweis, dass keine Rekursmöglichkeit bestehe und man auch keine individuellen Rückfragen beantworte. Peng! Ende der Diskussion.

Ich frage mich, ob Kunst und Kultur so geringen Wert haben, dass man uns erst wochenlang hinhält und trietzt und am Ende mit Nichts abspeist? In meinem Falle hätte es sich vermutlich eh nur um eine sehr kleine Summe gehandelt. Das wäre auch ok gewesen. Eine Summe allerdings, die vielleicht einen Teil der Miete oder der Krankenkasse in einem Monat getilgt hätte. Meine Gemeinde Thalwil nehme ich hier aus, die immerhin mit einem Darlehen eingesprungen ist.  

Es ist auch allgemein bekannt, dass Jobs in Kunst und Kultur oder auch im Freelance-Journalismus sehr schlecht bezahlt werden oder, z.B. im Falle von Büchern oder Drehbüchern schreiben, erst viel später entlöhnt werden oder Lesungen und dergleichen auch gerne mal gar nicht bezahlt werden. Schon daher sind keine grossen Einnahmen zu erwarten. Man fühlt sich leicht verarscht, als sei das, was wir tun ein Hobby, keine richtige Arbeit. Doch ohne Kultur geht eine Gesellschaft ein. Und es ist in meinem Falle die Arbeit, mit der ich die nächsten 9,5 Jahre (oder vielleicht noch länger) bis zu meiner Pensionierung meinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Als Single ist man sowieso besonders finanziell belastet, im Gegensatz zu Paaren, die sich die meisten Kosten teilen, als selbstständiger Single hat man den Volltreffer. 

Ich könnte natürlich auch meine hart erarbeiteten Ersparnisse, die eigentlich fürs Alter gedacht waren, jetzt verprassen und mich dann aufs Sozialamt begeben. Kommt bekanntlich nicht selten vor. Aber das habe ich nur über meine Leiche vor.  

Ich frage mich einfach, ob hier nicht grundsätzlich mit ungleich langen Spiessen hantiert wird? Ich weiss z.B. von einem mittelgrossen Unternehmen, das ein ziemlich grosses Unternehmen im Rücken hat, dass, obwohl es das gar nicht wirklich nötig hat, Kurzarbeit beantragt hat (O-Ton Chef «Das lassen wir uns jetzt nicht entgehen») und dessen Mitarbeiter trotzdem weiterhin 100% arbeiten müssen. Zudem wurden sie noch subtil darauf hingewiesen, dass es, wenn sie die Massnahme nicht unterschreiben, erfahrungsgemäss Änderungsentlassungen gäbe. Es wurde ihnen also angedroht, dass sie gefeuert werden, wenn sie das Spiel nicht mitspielen. Das ist Erpressung und zutiefst unmoralisch. Natürlich wurde die Kurzarbeit ohne weitere Prüfung innerhalb weniger Tage durchgewunken und bewilligt. Ich kenne noch andere Beispiele, die mich nur mit dem Kopf schütteln lassen. Wird hier Geld willkürlich verteilt? Oder nach guter alter Vetternart? Oder nach dem Motto Der Teufel scheisst immer auf den grössten Haufen? Mir kommen langsam Zweifel. 

Ich erwarte nichts mehr und werde mich auch künftig allein und komplett aus eigener Kraft durchwurschteln und nicht untergehen. Denn ich glaube an mich und meine Talente und Fähigkeiten. Und natürlich kann ich mich glücklich schätzen, in dieser Zeit hier zu leben und nicht als Wanderarbeiter in Indien oder Obdachlose in den USA oder rundumüberwacht in China etc.pp. Es geht vielen hierzulange vermutlich auch noch viel schlechter als mir, keine Frage. Ich will nicht undankbar sein und auch nicht auf die Tränendrüse drücken oder rumjammern. Trotzdem bin ich enttäuscht und wütend und frage mich manchmal, ob ich dieses System weiterhin unterstützen möchte, in dem so viele Steuergelder für unnötige oder sinnlose Projekte verbraten werden und man, wenn es drauf an kommt und man wirklich mal eine kleine Hilfe bräuchte, im Regen stehen gelassen wird. 

Ich wünsche allen, dass sie gesundheitlich und finanziell gut durch diese Krise kommen.