Montag, 24. Juni 2013

Selbstkritik




wir neigen dazu
von oben herab auf den Rest der Welt zu gucken
wir können ja schön grosse Töne spucken
und alles, was nicht wie wir tickt, ablehnen
wir können die Spiesser
oder die Kapitalisten
                                                               verachten
und auf die Regierung einhacken
als handele es sich um Schwerverbrecher
wir sind cool und doch irgendwie konservativ
renitent und doch schwimmen wir geschmeidig mit dem Strom
vor unserer eigenen Tür wurde schon lange nicht mehr gekehrt
wie bekämpfen das System
in dem wir es uns aber doch bequem machen
es ist, als würde die Made im Speck motzen
weil sie keinen Serrano-Schinken gekriegt hat
wir haben uns eingerichtet
auf dem muffig warmen Sofa der
                                                               Selbstgerechtigkeit
und während wir von unseren Balkonen
ins Abendrot glotzen
das nächste Bier öffnen
und übergrosse Eiswürfel in den nächsten Gin Tonic fallen lassen
basteln wir schon an der nächsten Ausrede
um nicht selbst aktiv werden zu müssen
grosse Reden schwingen kann jeder
doch sollen Taten folgen
ist meist Sense
manchmal ist die Welt der Kleinbürger toleranter
und sind Bonzen menschenfreundlicher
und Proletarier intellektueller
als wir Möchtegernrevoluzzer und Salonlöwen
die sich zwar gern von Ihresgleichen feiern lassen
aber auch schnell auf alles spucken
das ABWEICHT
ich ziehe jetzt in ein Loft
und kaufe mir einen Gartenzwerg
und werde auf beides stolz sein

Bild: Halina Kliem
http://halinakliem.com/

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