Montag, 26. Januar 2015

Warum Frauen doch lustig sind (eine Antwort auf Hazel Bruggers Kolumne im Magazin)





Warum Frauen doch ganz schön lustig sind


Meine hochgeschätzte Kollegin Hazel Brugger hat in "Das Magazin" erklärt, warum Frauen nicht so lustig sind. Oder warum sie es nicht nötig haben, so lustig wie Männer zu sein (der fehlende schlaffe Penis, das Vermögen, innerhalb einer relativ kurzen Zeit einen neuen Menschen aus sich herausspazieren zu lassen etc. pp). Das ist bei genauerer Betrachtung natürlich Quatsch. Die Frau an sich ist genauso lustig wie der Mann. Und das würde sie auch gerne zeigen, wenn man(n) sie liesse. Dass sie nicht kann oder nicht will, ist eine Mär. Da sind Hazel und ich uns einig. Das Problem für die Frau ist in erster Linie, dass sie eine Frau ist. Die wird nämlich in der Regel erst einmal nicht wahr- und später dann oft nicht ernstgenommen: "Kann die das denn? So als Frau?". Dieser selbst schon mehrfach gehörte Satz gilt gleichermassen für den Humor, wie für fast alle anderen Bereiche des Lebens auch. Der Frau wird meist abgesprochen, was dem Manne ganz selbstverständlich zugestanden wird. 

Dabei wissen wir ja, ohne die Frau im Hintergrund, wäre der Mann nur halb so erfolgreich und auch nur halb so lustig. Die Liste der Beispiele ist unendlich lang. Seien hier mal drei Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen willkürlich gewählt: Die Freundin von Mario Barth (ohne sie hätte der gar kein Programm), Monika Lewinsky (ohne sie würde sich heute kaum mehr einer an Bill Clinton erinnern), Ulrike Meinhof (ohne sie wäre Andreas Baader nur das gewesen, was er war: ein blöder Terrorist und fertig). Frauen haben Humor, von Hause aus, sonst würden sie sich ja nicht mit Männern einlassen. Sie trauen sich das nur oft nicht öffentlich zu zeigen. Weil man schon den kleinen Mädchen eintrichtert, dass es sich nicht ziemt böse und sarkastisch zu sein oder blöde Grimassen zu ziehen und dass sie lieber schön aussehen und die Schnauze halten sollen. Schluss mit lustig, bevor es angefangen hat! Hazel Brugger hält nicht die Schnauze und sieht trotzdem schön aus. Es geht also. 


Aber auch die Sache mit der Schönheit, die man hat oder eben nicht, ist eine Last. Während es für männliche Komikerkollegen eher hinderlich ist gut auszusehen (je unattraktiver, desto besser, wie diverse Beispiele von Kollegen in seltsam hässlichen Pullundern oder mit abstehenden Ohren, schütterem Haar, Hasenzähnen etc. beweisen), wird von der Frau noch immer verlangt, beim lustig sein auch gut auszusehen (Ausnahmen wie Cindy aus Marzahn bestätigen die Regel). Unattraktive Männer sind lustig. Unattraktive Frauen sind unattraktiv. Die meisten Frauen, die es in Sachen Humor weit gebracht haben, sehen ausnahmslos gut und sexy aus und sind vorzugsweise auch noch jung. Manchmal dann zwar untalentiert (Ex-Missen, Ex-Moderatorinnen, die es in Sachen Humor versuchen), aber das ist dann zweitrangig. Alles über 35 hat erst einmal die Daseinsberechtigung verloren und muss sie sich hart zurückerkämpfen. Wenn man die Kriterien jung und schön jedoch erfüllt (das Auge isst schliesslich mit, harr harr), ist der Auftritt bei Giacobbo/Müller sicher. 


Ich persönlich erfülle keines dieser Kriterien: Ich bin 49, übergewichtig und von schwindender, übersichtlicher Schönheit. Und deshalb gelte ich nicht mehr als lustig, sondern gehe nur noch als verbitterte Alte durch, die mal wieder richtig durchgevögelt gehört. Ein 49-jähriger, dicker Mann bekäme an dieser Stelle jetzt sicher den Preis für den Newcomer des Jahres und würde im nächsten Jahr für den Grimme-Preis nominiert werden. Auch beim Humor wird mit mindestens zweierlei Mass gemessen, da kann man sich auf der Bühne noch so einen Wolf faseln. Pardon Wölfin!, um den Fetischisten der political correctness gerecht zu werden. Und Hazel: Auch wenn die Leute mitunter lachen, wenn ich auf der Bühne stehe (obwohl ich meistens sitze, das Alter!), ins Bett will mit mir danach trotzdem keiner. Drum nutze es aus Baby, so lange Du noch solche Angebote bekommst!

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