Mittwoch, 10. August 2011

KEINE SPUR VON ANNÄHERUNG



Wir sind immer nah dran
Und doch weit genug entfernt
Es ist nicht unsere Schuld
Das Leben könnte ja auch mal
Einen Schritt näherkommen

Dienstag, 9. August 2011

NICHTS




Ich habe auf direktem Wege nichts gesucht
Und es auch gefunden
Andere machen Umwege 
Indem sie einer geregelten Arbeit nachgehen
Mir blieben dazwischen
Wenigstens Möglichkeiten


Foto: Thomas Schekalla | Uni-Wuppertal

Montag, 8. August 2011

ALS DU FAST MAL AUSGESTIEGEN WÄRST, WENN DA NICHT DIE FRAU UND KINDER WÄREN (DIE DU IRGENDWANN MAL HABEN WIRST)




Man trägt so eine Art Hoffnung mit sich rum
dass sich doch nochmal was tut
egal was
Hauptsache, der Wind schlägt eine andere Richtung ein
Und dann sitzt du Montagmorgen nach drei Wochen Asien wieder im Büro
und wünschst dir, die Tastatur möge sich in ein Maschinengewehr verwandeln
mit dem sich fürs erste der eigene Dunstkreis etwas ausdünnen liesse

Und während du das denkst
und der Schweizer Sommer schon am Vormittag schlapp macht
bearbeitest du deine 1823 E-Mails
die so wichtig sind wie die Wasserstandsmeldung in deiner Badewanne
aber du schaust dir trotzdem jede einzelne an
um nicht doch versehentlich irgendeinen Hauptgewinn zu verpassen

Gestern bist du in Phnom Penh noch die Gasse zum erigierten Penis entlanggeschlendert
und hast dir was rausgenommen
wofür du hier schon fast in der Kiste landen würdest
und jetzt zahlst du brav deine Rechnungen und bleibst drei Tage abstinent
damit deine Leber auch noch eine Chance kriegt

Du siehst gut aus so braungebrannt und mit diesem Jetlag-Schlafzimmerblick
und den 3 Kilo weniger, die dir die Diarrhö und der Analverkehr beschert haben
jetzt, denkst du, jetzt hau ich die Scheisse hin
reiss das Ruder nochmal rum
der Zeitpunkt ist günstig, der Dollar und die Sonne stehen tief
knietief, wenn man so will
das Licht scheint dir förmlich aus dem Arsch
im Grunde genommen schwimmst du im Geld

allerdings auch in der Suppe
die du dir seit Jahrzehnten einbrockst
Zeit, mal kräftig zu löffeln, an den Rand zu schwimmen
und von der Strasse des gemässigten Verlierens
auf die Road to Success abzubiegen
aber die ist immer UNDER CONSTRUCTION
und du hast genug von Baustellen
bist ja selber eine
umpföstelt, weitläufig umfahren und schlecht beleuchtet
irgendwie vergessen in der Sackgasse deines kleinen Lebens

Doch heute fühlst du dich, als hättest du was dazugewonnen
sowas wie Charakter
das muss ausgenutzt werden, man weiss ja nie, wie lange so 'ne Fata Morgana anhält
das Zeitfenster für Entscheidungen ist bekanntlich knapp

"Wir alle leben in einem gelben U-Boot" klingt es aus dem Radio
das war dir bis jetzt noch nicht aufgefallen
aber eng und dunkel, wie unter Wasser, kam's dir schon länger vor
heute tauchst du auf
verlässt die Mannschaft
soll sie ihre Angriffe doch ohne dich fahren
die aus dem Hinterland sind schon lange fahnenflüchtig
deine Munition ist schon fast verschossen
die letzten Patronen heisst es geschickt einzusetzen

Du fährst den Computer runter
etwa auf den Level deines Geistes
und gerade, als du endgültig die Segel streichen willst
kommt dein Chef und floskelt dich an
dass er froh ist, dass du wieder da bist
und wie der Laden ohne dich vor die Hunde gehen würde

Und du siehst, wie der Käptn lächelt
und für dich die Luke vom U-Boot aufhält
und dummdreist grinsend
steigst du wieder ein

Samstag, 6. August 2011

FILMRISS



Das Einzige, woran sich Frank und Peter genau erinnern konnten war die Einladung zum Jahrestreffen der Schwabinger Jagdfreunde. Alles andere verschwamm in einem nebulösen Nichts jenseits dichter Hecken.

Donnerstag, 4. August 2011

LIEBE


Liebe ist
                                               den Anderen schlafen zu lassen
                                    tun zu lassen
                        leben zu lassen
            nichts zu verlangen
                        nichts zu erwarten
Liebe ist
            alles zu geben
                        selbst wenn nichts mehr da ist
Liebe ist
            eine überfahrene Katze zusammenzuflicken
                        Sonne auf deiner Haut
            die Zigarette danach
                        Schmauchspuren im Bett
            den Musikantenstadel nicht wegzuschalten
Liebe ist
                        was du mir nicht geben kannst
            und es aber trotzdem versuchst
                        zwischen den Zeilen zu lesen
            wenn's nötig ist zu schweigen
                        zu ertragen, was der Andere alles nicht ist

Liebe ist
            Gaga, Dada, Da da da          
vögeln im Auto
                        den Zeitpunkt des bestmöglichen Abgangs nicht zu verpassen
            den Anderen so zu sehen, wie er nicht ist

Liebe ist          Stille, Wille
            seine Seitensprünge für sich zu behalten
                                    und die des Anderen zu übersehen
                        Graffiti an der Wand
                                   und getrennte Betten
                       
Liebe ist         
            kaltes Bier im Kühlschrank
                        verpennte Tage
                                   verkokste Nächte
            nicht anzurufen
                        wenn's brennt zu löschen     
                                   keine Fragen zu stellen

Liebe ist          starker Espresso
            und Sosse mit Sahne
                        die Butter für den Kuchen
                                   mal die Mutter anzurufen
Liebe ist
            kein Risiko zu scheuen
                              meine Schuhe in deinem Gang
                        dein Schlüssel in meiner Tasche
                                   feuchte Küsse
und Träume
            verpasste Chancen
                versäumte Jahre
                        Haare im Waschbecken und in der Suppe

Liebe ist
                      es dreimal klingeln zu lassen
            sich zurückzuhalten  
                                   die Wahrheit klug zu dosieren
 Liebe ist
                        ein Wort
                                   Chemie
                                               Kampf
            alles und nichts
                        was am Ende bleibt

Dienstag, 2. August 2011

ENTSCHEIDUNGEN


Es regnete unaufhörlich
Ich sass auf der Veranda und beobachtete das Wasser
Wie es sich aus den Wolken ergoss
Die Katze maunzte sie wollte raus
Also liess ich sie raus und glotzte weiter in den Regen
Der einfach floss sonst nichts
Später stand ich auf und kochte Kaffee
Um den Drink den ich vorher hatte zu neutralisieren
Die Katze kratzte an der Tür
Sie wollte wieder rein
Also liess ich sie rein
Sie war durchgeweicht und sah aus wie eine zerfledderte Ratte
Eine Ratte die eine falsche Entscheidung getroffen hatte
Wenn es doch nur mehr magische Leute gäbe
Um unsere komischen Leben durchzustehen
Aber die werden langsam rar
Der Kaffee war keine so gute Idee
Auch ich traf die falschen Entscheidungen
Der Regen war unerbittlich seit Tagen
Hoffnungslos herzlos gewaltsam glorios und wunderschön
Als die blöde Katze trocken war miaute sie eindringlich
Sie wollte wieder raus
Ihr Wunsch ist mir Befehl
Nicht ohne gewisse Schadenfreude öffnete ich die Tür
Als die Katze ihren Irrtum bemerkt hatte
War sie schon wieder geschlossen