Montag, 8. August 2011

ALS DU FAST MAL AUSGESTIEGEN WÄRST, WENN DA NICHT DIE FRAU UND KINDER WÄREN (DIE DU IRGENDWANN MAL HABEN WIRST)




Man trägt so eine Art Hoffnung mit sich rum
dass sich doch nochmal was tut
egal was
Hauptsache, der Wind schlägt eine andere Richtung ein
Und dann sitzt du Montagmorgen nach drei Wochen Asien wieder im Büro
und wünschst dir, die Tastatur möge sich in ein Maschinengewehr verwandeln
mit dem sich fürs erste der eigene Dunstkreis etwas ausdünnen liesse

Und während du das denkst
und der Schweizer Sommer schon am Vormittag schlapp macht
bearbeitest du deine 1823 E-Mails
die so wichtig sind wie die Wasserstandsmeldung in deiner Badewanne
aber du schaust dir trotzdem jede einzelne an
um nicht doch versehentlich irgendeinen Hauptgewinn zu verpassen

Gestern bist du in Phnom Penh noch die Gasse zum erigierten Penis entlanggeschlendert
und hast dir was rausgenommen
wofür du hier schon fast in der Kiste landen würdest
und jetzt zahlst du brav deine Rechnungen und bleibst drei Tage abstinent
damit deine Leber auch noch eine Chance kriegt

Du siehst gut aus so braungebrannt und mit diesem Jetlag-Schlafzimmerblick
und den 3 Kilo weniger, die dir die Diarrhö und der Analverkehr beschert haben
jetzt, denkst du, jetzt hau ich die Scheisse hin
reiss das Ruder nochmal rum
der Zeitpunkt ist günstig, der Dollar und die Sonne stehen tief
knietief, wenn man so will
das Licht scheint dir förmlich aus dem Arsch
im Grunde genommen schwimmst du im Geld

allerdings auch in der Suppe
die du dir seit Jahrzehnten einbrockst
Zeit, mal kräftig zu löffeln, an den Rand zu schwimmen
und von der Strasse des gemässigten Verlierens
auf die Road to Success abzubiegen
aber die ist immer UNDER CONSTRUCTION
und du hast genug von Baustellen
bist ja selber eine
umpföstelt, weitläufig umfahren und schlecht beleuchtet
irgendwie vergessen in der Sackgasse deines kleinen Lebens

Doch heute fühlst du dich, als hättest du was dazugewonnen
sowas wie Charakter
das muss ausgenutzt werden, man weiss ja nie, wie lange so 'ne Fata Morgana anhält
das Zeitfenster für Entscheidungen ist bekanntlich knapp

"Wir alle leben in einem gelben U-Boot" klingt es aus dem Radio
das war dir bis jetzt noch nicht aufgefallen
aber eng und dunkel, wie unter Wasser, kam's dir schon länger vor
heute tauchst du auf
verlässt die Mannschaft
soll sie ihre Angriffe doch ohne dich fahren
die aus dem Hinterland sind schon lange fahnenflüchtig
deine Munition ist schon fast verschossen
die letzten Patronen heisst es geschickt einzusetzen

Du fährst den Computer runter
etwa auf den Level deines Geistes
und gerade, als du endgültig die Segel streichen willst
kommt dein Chef und floskelt dich an
dass er froh ist, dass du wieder da bist
und wie der Laden ohne dich vor die Hunde gehen würde

Und du siehst, wie der Käptn lächelt
und für dich die Luke vom U-Boot aufhält
und dummdreist grinsend
steigst du wieder ein

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