Sonntag, 20. März 2011

Warum ich schreibe





Ich muss schreiben. Es ist ein inneres Bedürfnis, ein Drang, dem ich nicht widerstehen kann. Eine Sucht, von der ich nicht befreit werden will. Schreiben befriedigt, beglückt. Ich schreibe, weil ich gern allein bin, gern beobachte und man für diese Tätigkeit nicht direkt mit Menschen in Kontakt treten muss. Weil ein Stück Papier und ein Stift immer und überall aufzutreiben sind. Alles vergeht, das Schreiben bleibt.

Wenn ich schreibe, esse ich nicht. Ich schreibe, um mich später selbst zu zitieren und damit Plagiatsvorwürfen aus dem Weg zu gehen. Ich schreibe aus Rache. Ich schreibe, weil ich sonst zum Attentäter würde. Schreiben füllt die Leere. Schreiben schafft Leere. Schreiben ist wie Sex, nicht immer endet der Akt mit einem Orgasmus.

Schreiben ist ein Egotrip, bei dem einen manchmal ein paar Leute begleiten. Wenn man Glück hat. Oder Pech. Das ist immer eine Sache der Betrachtung. Ich schreibe, weil ich das besser kann als singen. Weil ich zu feige für etwas anderes bin. Weil das mein grösstes - vielleicht einziges - Talent ist. Weil Schreiben das Einzige ist, was ansatzweise Sinn macht. Weil ich mir einbilde, beim Schreiben Entscheidungen zu treffen. Weil ich dann eher an den freien Willen glaube. Ich schreibe, weil ich nicht gern rede. Schreiben ist ein Ventil am Ende meiner Hände, das ablässt, was mein Mund lieber verschweigt. Beim Schreiben verliere ich Hemmungen und gewinne Mut, kenne ich keine Tabus und Grenzen, bin ich frei, bin ich wahr. Ich schreibe, um alles Dogmatische, Moralinsaure, Lebensfeindliche abzuschütteln. Auch, wenn ich das alles selbst manchmal bin.

Ich hatte keine schwere Kindheit und fühle mich in keiner Weise als Opfer. Auch der Begriff Weltverbesserung ist mir fremd. Es geht um mich. Zu behaupten, ich könne oder wolle die Gesellschaft verändern, grenzt an Grössenwahn. Ich möchte keine müden Geister aufrütteln, ich habe nicht den Anspruch, in jemandem das höhere Selbst zu erwecken. Ich habe wahrscheinlich nichts Nennenswertes zu sagen. Man muss nicht grübeln, worauf ich hinaus will, denn ich will im Grunde auf nichts hinaus. Kurz: Ich habe kein Sendungsbewusstsein.

Ich will, dass man mich liebt. Und bewundert. Ich will berühmt werden. Wenn man sich erst die Frage stellen muss, warum man schreiben will, sollte man es vielleicht besser lassen. Schreiben ist keine Arbeit, Schreiben ist ein Auftrag. Und: Der kluge Gebrauch der Sprache, schliesst die Kunst des Schweigens ein.

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