Mittwoch, 25. Juni 2014

Was siehst Du so?




Ich sass gerade vorm Café Moser's am Klusplatz in Zürich und stopfte mir mein Mittags-Sandwich rein. Als ich so meinen Blick kreisen liess, überkam mich ein bisschen Übelkeit. Dieser Platz grenzt schon an Körperverletzung, dachte ich mir. 


Nichts schönes, nichts spannendes, nichts interessantes oder innovatives hat er zu bieten. Weder traditionell noch modern, nicht urban, nicht dörflich. Kein Hauch von quirligem Leben, kein Multi-Kulti, auch kein Ansatz von Business und Geld. Nichts grünes, nichts farbiges, nicht mal funktionell-praktisches. Nur Lärm, Dreck, Verkehr. END-Stationen dreier Tram-Linien, querfahrende Busse, Aufeinandertreffen fünfer Strassen. Architektonisch-missglückte Versuche von Reihenhaus-Entwerfern eines vergangenen Jahrhunderts. Kulinarisches Angebot: ein Desaster. Kunst und Kultur? Fehlanzeige. Nette Aussicht? Nicht vorhanden. Gemütlichkeit? Savoir vivre? Vergiss es! Eine Zumutung.


Und ich, in einem grauen Bürohaus, eingepfercht zwischen Fussorthopädie Feldmann, Klus-Apotheke, Klus-Metzg, Café Klus, Coop-Pronto, Teppichhaus und Coiffure Cosmo Style. Traurigkeit pur. Liebloses Grau in Grau, das einen zu nichts inspiriert, ausser vielleicht eine Depression zu entwickeln.


Kurz: Der Inbegriff der

 H Ä S S L I C H K E I T


Ich verbringe den Grossteil des Jahres an einem hässlichen Ort. Und Du?

Kommentare:

  1. Lustig, dass Du von Körperverletzung schreibst. Vor vielen Jahren hat mich eine Bankiergattin im BMW vor dem Coop (damals war das allerdings noch kein Coop) auf meinem Motorrad abgeschossen und sieben Wochen ins Unispital geschickt. Sie hatte einen Lieferwagen rechts auf dem Trottoir überholt, weil sie es eilig hatte, in die damalige Holzofenbäckerei Nill zu kommen, um Gipfeli zu holen.

    AntwortenLöschen
  2. Das ist nicht gut! Ja, diese Rechtüberholerei an dieser Kreuzung hat auch heute noch Tradition. Und von allen Seiten kommen Busse und Trams angefahren, ohne Rücksicht auf Verluste. Dass da nicht mehr Leute unter die Räder kommen: ein Wunder. Nun, ich hoffe Cuno, Dir gehts wieder vollends gut.

    AntwortenLöschen
  3. Danke, Susann, ich habe als Erinnerung einen lädierten Fuss behalten, der mir auch heute noch hin und wieder Beschwerden bereitet, aber was schwere Motorradunfälle anbelangt, war meiner noch einigermassen harmlos. Ich konnte lange nicht am Klusplatz vorbei fahren, ohne ein Unfall-Flashback zu erleben, aber das hat sich mit der Zeit gelegt.

    AntwortenLöschen