Sonntag, 20. März 2011

Warum ich schreibe





Ich muss schreiben. Es ist ein inneres Bedürfnis, ein Drang, dem ich nicht widerstehen kann. Eine Sucht, von der ich nicht befreit werden will. Schreiben befriedigt, beglückt. Ich schreibe, weil ich gern allein bin, gern beobachte und man für diese Tätigkeit nicht direkt mit Menschen in Kontakt treten muss. Weil ein Stück Papier und ein Stift immer und überall aufzutreiben sind. Alles vergeht, das Schreiben bleibt.

Wenn ich schreibe, esse ich nicht. Ich schreibe, um mich später selbst zu zitieren und damit Plagiatsvorwürfen aus dem Weg zu gehen. Ich schreibe aus Rache. Ich schreibe, weil ich sonst zum Attentäter würde. Schreiben füllt die Leere. Schreiben schafft Leere. Schreiben ist wie Sex, nicht immer endet der Akt mit einem Orgasmus.

Schreiben ist ein Egotrip, bei dem einen manchmal ein paar Leute begleiten. Wenn man Glück hat. Oder Pech. Das ist immer eine Sache der Betrachtung. Ich schreibe, weil ich das besser kann als singen. Weil ich zu feige für etwas anderes bin. Weil das mein grösstes - vielleicht einziges - Talent ist. Weil Schreiben das Einzige ist, was ansatzweise Sinn macht. Weil ich mir einbilde, beim Schreiben Entscheidungen zu treffen. Weil ich dann eher an den freien Willen glaube. Ich schreibe, weil ich nicht gern rede. Schreiben ist ein Ventil am Ende meiner Hände, das ablässt, was mein Mund lieber verschweigt. Beim Schreiben verliere ich Hemmungen und gewinne Mut, kenne ich keine Tabus und Grenzen, bin ich frei, bin ich wahr. Ich schreibe, um alles Dogmatische, Moralinsaure, Lebensfeindliche abzuschütteln. Auch, wenn ich das alles selbst manchmal bin.

Ich hatte keine schwere Kindheit und fühle mich in keiner Weise als Opfer. Auch der Begriff Weltverbesserung ist mir fremd. Es geht um mich. Zu behaupten, ich könne oder wolle die Gesellschaft verändern, grenzt an Grössenwahn. Ich möchte keine müden Geister aufrütteln, ich habe nicht den Anspruch, in jemandem das höhere Selbst zu erwecken. Ich habe wahrscheinlich nichts Nennenswertes zu sagen. Man muss nicht grübeln, worauf ich hinaus will, denn ich will im Grunde auf nichts hinaus. Kurz: Ich habe kein Sendungsbewusstsein.

Ich will, dass man mich liebt. Und bewundert. Ich will berühmt werden. Wenn man sich erst die Frage stellen muss, warum man schreiben will, sollte man es vielleicht besser lassen. Schreiben ist keine Arbeit, Schreiben ist ein Auftrag. Und: Der kluge Gebrauch der Sprache, schliesst die Kunst des Schweigens ein.

Montag, 14. März 2011

Der stumme Schrei des Lektors


Der Lektor beim Laub fegen während seiner Anti-Aggressions-Therapie.


Vom Glück kein Lektor zu sein
Einst schrieb ein Autor eine Hymne auf die wunderbare Tätigkeit eines Lektors und ich dachte so bei mir, wie verschieden doch die Menschen sind. Ich für meinen Teil empfinde für jeden Lektor nur grosses Mitleid. Es gibt keinen Beruf, den ich mehr nicht ausüben möchte, als den des Lektors. Ständig sich den ganzen Tag mit Geschichten befassen zu müssen, die einen nicht wirklich interessieren, von Leuten, die es wahrscheinlich nie zu literarischem Ruhm bringen werden, ist eine Aufgabe, der ich definitiv nicht gewachsen bin. Zu gross ist die Schar der Idioten da draussen, die den Lektor tagsein, tagaus mit ihren pseudoliterarischen Ergüssen vollscheissen und ihm seiner kostbaren Lebenszeit berauben. Ich weiss, wovon ich rede, ich bin einer von diesen Idioten.

Palettenweise werden schlechte Texte angekarrt, aus deren Masse der Lektor dann die Rosinen herauspicken, die Nadel im Heuhaufen finden soll. Zu gross der gestapelte Schwachsinn, der stündlich auf den Lektorenschreibtisch regnet, in Papier gebündelte Hoffnungen auf Erlösung aus der Mittelmässigkeit. Lesen, meine liebste Beschäftigung, würde mir dabei endgültig vergällt werden. Ich verstehe jeden Lektor, der Selbstmord begeht. Und vielleicht findet sich unter den tausend Nieten dann doch ein Treffer. Aber dann hat der Verlag andere Pläne, geht lieber auf Nummer sicher, will sich nicht die Finger verbrennen, zieht den Schwanz ein. Was zählt ist, wonach die verblödete Masse schreit, weil Masse gleich Kasse bedeutet. Und dann entscheidet man sich anstatt für den künftigen Nobelpreisträger doch für das neue Buch von Dieter Bohlen.

Am Ende darf man sich mit Möchtegern-Sternchen, die mit 20 ihre Memoiren schreiben, und keinen graden Satz rausbringen, pseudointellektuellen Töchtern von Theaterdramaturgen, die die Hälfte ihres Textes geklaut haben oder in die Jahre gekommenen, renitenten Bestseller-Schreiberlingen um jeden Satz streiten, als gelte es die Grundwerte der Menschheit zu retten. Als Lektor, der vielleicht als einziger wirklich etwas von Sprache versteht, der besser schreibt, als die Autoren selbst, der aber einst von längst resignierenden Lektoren abgelehnt wurde, weil er nicht ins Verlagsprogramm passte. Oder weil seine Manuskripte ungelesen im nimmersatten Schredder landeten. Arme Lektoren, Schattenmänner und Schmerzensfrauen, Geburtshelfer der Literatur, was für ein Leben!


Samstag, 12. März 2011

Selbstgemacht



Heute: Wir basteln uns ein Graffiti.
1. Abbruch-Haus fotografieren
2. Im Fotoshop Graffiti reinbasteln
3. Allen als Dein echtes Graffiti vorstellen

Donnerstag, 10. März 2011

FREE TIBET


In Gedenken an den Tibetaufstand am 10. März 1959. Haltet inne und lasst Euer Herz sprechen.
Foto: Susann Klossek

Dienstag, 8. März 2011

Die Weinprobe



Was macht man in der Mitte eines Zweifrontenkriegs? Man geht zu einer Weinprobe. Diesen Satz eines israelischen Staatsbürgers las ich kürzlich in einem Interview in "Die Welt". Humor haben sie, das muss man den Israelis lassen. Sie verlieren ihn selbst dann nicht, wenn ihnen Raketen um die Ohren fliegen.
Ich selbst hatte kürzlich Besuch von einem jüdischen Freund aus Tel Aviv, der gern einmal Wein, Weib und Gesang frönt. Und da in Helvetien glücklicherweise Frieden herrscht, konnten wir ganz unbelastet an unsere Weinprobe gehen.

Gern wird eine Weinprobe mit einer Lesung verbunden - oder umgekehrt. Entweder will man schlechten Wein mit Literatur aufwerten oder mit gutem Wein von schlechter Schreibe ablenken. An besagter Weinprobe im Keller einer Schweizer Bank, an der ebendieser Freund, meine Mutter und ich nun kürzlich teilnahmen, traf irgendwie beides zu. Was uns nach dem fünften Nachschenken allerdings ziemlich egal wurde.

Der Kellermeister, ein grummliger Herr mit speckigem Haar, nicht mehr ganz im besten Alter, goss uns eifrig ein Glas nach dem anderen mit dem wohltemperierten Rebensaft voll. Der Keller war kühl, das Licht schummrig. Kurz: Ideal, sich in Windeseile, nahezu unbemerkt, sinnlos zu betrinken.

Meine Mutter, die nicht mehr ganz soviel verträgt wie in ihrer Blütezeit, stellte vorsorglich ihre halb geleerten Gläser diskret im Foyer ab. Nichtsahnend, dass sich die Kinder des Bankdirektors, süsse neun und zwölf Jahre alt, genüsslich daran labten. Sie wurden später mit einer Alkoholvergiftung abtransportiert. Auch Saufen will eben gelernt sein. Aber das nur am Rande.
Neben schlechter Lyrik wurde verführerisch duftender Rohschinken kredenzt. Ich war froh, dass ich mich gegen ein Vegetarierdasein entschieden hatte.
"Ich hätte gern ein Stück von diesem Fisch dort", gab mein Gast einen seiner jiddischen Witze zum Besten.
"Das ist ein Schinken", sagte die beleibte Dame hinter dem Holzbrett und schnitt ein dickes Stück Schwein ab. Sie selbst hatte ein wenig Ähnlichkeit mit einer Wildsau. "Es interessiert mich nicht, wie der Fisch heisst", antwortete mein Freund und biss genüsslich in den Schinken. Schlechte Witze spült man am besten mit einem Charmont herunter.
"Was arbeitest Du eigentlich zur Zeit?", versuchte ich das Thema zu wechseln.
"Gar nichts", sagte er bedeutungsschwanger lächelnd. "Wenn man arbeitet hat man keine Zeit zum Geld verdienen. Noch ein Schlückchen Doral gefällig?" Irgendetwas machte ich verkehrt.
"Haben Sie auch einen Kröver Nacktarsch?", fragte ein leicht beschwipster Gast. Um ein Haar hätte die Weinkönigin der letzten Herbstlese doch tatsächlich die Hüllen fallen lassen. Vielleicht hätte sie sich ja doch besser zur Erotikqueen wählen lassen sollen. Schon halb entblösst, lachte sie kurz hysterisch auf, bevor sie vom Kellermeister unsanft ins Abseits gezogen wurde.

Der Dreiklang aus brillanter Textrezitation ("Mann bin ich besoffen!"), mitreissendem Gesang ("Griiiischischer Weiiin") und ausgesuchten Weinen verzückte sogar zu fortgeschrittener Stunde den Kellermeister. Auch er genehmigte sich das eine oder andere Tröpfen und tätschelte in vertraut väterlicher Art diverse Schultern - und später auch Hintern - verschiedener Damen. Wenn das keinen Gutedel wert ist, kam's mir in den Sinn. Schnurstracks entsorgte ich den Chenin blanc in meiner durstigen Kehle, damit man mir nachschenken konnte.

"Wo finde ich die Toilette?", erkundigte sich eine Dame mit einem Hut wie ein Storchennest.
"Das ist eine Bank meine Dame.", sagte mein Begleiter süffisant grinsend. "Hier gibt's keine Toiletten. Hier bescheisst einer den andern." Worauf sich die Dame spontan in ihr Luis-Vuitton-Täschchen übergab. Zeit für einen kleinen Roussette, dachte ich und leerte das Glas in einem Zug.
"Ich hasse meinen Job!", lallte der Herr Bankdirektor feuchtfröhlich.
"Und ich meinen Mann" flüsterte seine Gattin. In Vino liegt eben doch die Veritas.

Zum Internationalen Frauentag


Liebe Feministinnen: Konsequenz ist der einzige Weg zur wirklichen Gleichberechtigung. Bitte gehen Sie mit leuchtendem Beispiel voran. Danke.

Donnerstag, 3. März 2011

Alte Sprichwörter, heute:


DIE SCHEISSE FÄLLT NICHT WEIT VOM DAMM

Anmerkung der Redaktion: Die Skulptur von Dominik Dengl steht im niederbayrischen Simbach und zeigt den Flussgott Aenus, dessen Hinterteil Richtung Braunau in Oberösterreich weist. 

Montag, 28. Februar 2011

Cut'n Serve



Früher hat die Grossmutter den Holzofen angeschmissen, das selbst geschlachtete Karnickel in die Röhre geschoben, Riesenklösse von Hand geformt und die Sosse mit Mondamin Fix Sossenbinder verdickt, fertig war das Festtagsmenü. Heute habe ich eine 80 Quadratmeter grosse Designerküche, in der ich ein Navigationssystem benötige, um überhaupt den Herd zu finden. 80 Quadratmeter aus dem Grunde, da Herd (Feuerelement) und Spüle und Kühlschrank (Wasserelement) weit genug voneinander entfernt sein müssen, um das Chi meiner Küche nicht zu stören. Das sagt zumindest mein Feng Shui-Küchenberater. Und kochen ist ja nicht einfach nur Lebensmittel erwärmen. Das sagt mein Mann.

So kam es jedenfalls, dass unsere Küche jetzt das halbe Haus einnimmt und wir kurzerhand aufs Wohnzimmer verzichtet haben. Das lag einfach finanziell nicht mehr drin. Soviel dazu, dass die Küche nach dem Feng Shui-Prinzip für Reichtum steht. Sie kann wohlgemerkt, muss aber nicht.
Im Prosepkt für unsere Kühe stand der Werbeslogan: 'Kochen wie die Stars in "Lüthi & Blanc" - zeige mir deine Küche und ich sage dir, wer du bist.' Da kann ich nur hoffen, dass wir uns nicht für das Küchenmodell von Beat Schlatter entschieden haben. Wer will sich schon auf das Niveau der Servelat-Prominenz begeben?

Unsere Küche nennt sich jedenfalls "InVetro grifflos" mit Abschlüssen in furniertem Makasar. Beim Kauf hatte ich verstanden, das Furnier sei aus Madagaskar. Das fand ich exotisch, man will ja multi-kulti sein. Dem Namen nach könnte man auch meinen, in unserer Küche würden künstliche Befruchtungen duchgeführt, aber soweit würden wir dann doch nicht gehen.

Jedenfalls haben wir heute Gäste und ich koche. Zuerst dachte ich an ein russisches Gericht, denn die russische Küche ist die einzige auf der Welt, bei der die Speisen unwichtig sind, solange der Wodkavorrat anhält. Es gibt jetzt aber doch etwas Asiatisches, wozu habe ich denn sonst den neuen Profi-Wok von Electrolux, handgeformt von den Frauen mongolischer Steppenkrieger? Einen Wodka - Sto Gramm - kann ich mir ja trotzdem schonmal gönnen. In unsere Kocheinheit - ein Eichenholzmonolith - ist übrigens auch ein Teppan Yaki integriert. Fragen Sie mich nicht, wozu der gut ist, klingt schwer nach einem Tibetischen Treckingführer.

Das neue Edelstahl-Kochgeschirr von Berndes im Bauhaus-Design ist induktionsfähig mit antihaftversiegeltem verkapselten Spezialboden mit extra dickem Aluminiumkern. Früher hiess das Topf. Darauf einen kleinen Wodka. Die Induktion beim Herd erfolgt im übrigen nach demselben Prinzip wie beim Manne: Kennst du einen, kennst du alle.

"Wo ist schon wieder dieser verdammte Alfredo?", schrei ich.

"Hast du etwa schon wieder einen neuen Gärtner eingestellt?"

"Nein, das ist der Kartoffelhalter, den ich als Werbegeschenk zum Sparschäler Toto dazubekommen habe."

Das Gemüse wurde von meiner brasilianischen Haushaltshilfe in einem Spezialkurs "Zen und die Kunst der Gemüsezubereitung" handgeschnitzt. Irgendwie hat sie die Sache mit dem Zen allerdings etwas zu ernst genommen, im Kochtopf herrscht nämlich die reine Leere. Sie hat danach übrigens drei Ave Maria gebetet und gekündigt.
Wo war gleich nochmal der Kühlschrank? Ich setze die Glasnudeln auf und nehme eine Packung Betti-Bossi-Mischgemüse aus dem Tiefkühler, das muss reichen. Ich schnetzele das Fleisch mit meinem guten alten Silit Universalhelfer Cut'n Serve. Nun gut, Pastete wollte ich eigentlich nicht machen, egal, dafür gibt der Flötenkessel heute La Traviata. Zeit für einen kleinen Wodka.

"Welches Porzellan wollen wir nehmen Schatz? Das Royal Copenhagen, das Rosenthal classic oder doch besser das Rosenthal studio line?", fragt mein Mann.

"Ach nimm doch das Fürstenberg, das passt besser zum Besteck von Goebbels", sag ich.

"Goebel heisst das Schatz, Goebel.

Na wie auch immer, zumindest harmoniert es ausgezeichnet mit den Tischasseccoires von Hutschenreuther und den Gläsern von Robbe & Berking. Und wenn wir Glück haben auch mit dem Gucci-Kostüm von Herrn Dr. Schweinfurths Gattin.

Jetzt müsste ich eigentlich mal die Nudeln abgiessen, das Wasser soll ja aus der Designer-Küchenarmatur "Viola" mit Joystick für die Spüle besonders magenschonend und umweltgerecht gefiltert herausfliessen. Wenn ich jetzt noch wüsste, welches Teil die Spüle ist... Egal, die Nudeln sind sowieso schon zu einem riesigen, glasigen Klumpen verkocht. Und der Wok ist schneller als ich mir erträumt habe, jedenfalls ist das Fleisch irgendwie, wie soll ich sagen, schwarz. Wie war gleich nochmal die Nummer vom Pizzaservice?  Hätte ich den Timer Pico angeschaltet, wäre das nicht passiert, aber Pico ist ja nie da, wenn Frau ihn braucht. Vielleicht kann ich ja mit Toto das Schlimmste abkratzen...

Mein holder Gatte versucht sich unterdessen mit unserem neuen Kompakt-Zapfsystem "Perfect Draft" sein erstes eigenes Pils zu zapfen. Es sieht aus wie eine Urinprobe und ehrlich gesagt schmeckt es auch ein bisschen so. Da fällt mir ein, dass ich den Wein dekantieren sollte, doch leider kann ich mit unseren Hightech-Korkenziehern nicht umgehen. Ich schlage kurzerhand den Flaschenkopf an irgendeiner Edelstahl-Armatur ab und giesse den Wein durch ein Sieb. Was der Gast nicht weiss...

Und ich bleib heute sowieso beim Wodka. NA SDAROWJE.



Weisheit des Tages


Könnten Fische fliegen, müssten sie nicht schwimmen.

Freitag, 25. Februar 2011

Hunderennen – eine Life-Reportage



Wenn ich mich kurz vorstellen darf: Mein Name ist Rex Hasso Rüdiger Hektor von Waidhausen-Rüsselsbach. Ich bin Reporter, nein Starreporter, beim Menschen-Magazin "Mein Mensch und ich". Ein dämlicher Titel, ich weiss. Lag nicht in meiner Verantwortung. Ich bin halt umzingelt von Kretins. Richtig erkannt, ich bin ein deutscher Schäferhund. Und nein, ich bin nicht verwandt mit Blondie. Wäre ja noch schöner. Blondie war ein Weichei, genau wie ihr Herrchen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich wurde heute hierher beordert, um eine Reportage über dieses vermaledeite Windhunderennen zu machen. Ich persönlich stehe ja nicht so auf Sport, ich hab's ein bisschen in den Hüften. Altes Kriegsleiden. Ich war übrigens auch in Vietnam. Letztes Jahr in den Ferien, ha ha, kleiner Scherz.

Die Weiber stehen total auf mich. Dummerweise besonders faltige, zerknautschte, beleibte Möpsinnen und diese aufgedonnerten Pudelinnen mit ihrer Angela Davis-Frisur und diesen blankrasierten Hinterteilen. Kkkkrrrrr mir sträubt sich das Fell. Ich für meinen Teil bevorzuge ja Glatthaarhündinnen mit einer schlanken Silhouette, langen Beinen und spitzen Ohren. Damit sie mich gut hören, wenn ich ihnen befehle, mir die Hundestellung zu machen. Aber ich schweife ab.

Ich bin übrigens inkognito hier, der Wolf im Schafspelz quasi, krrrrrhahaha, ich könnte mich ja sonst gar nicht vor all den läufigen Hundeladys retten, die alle ein Kind von mir wollen. Widerlich diese anhänglichen Weibsbilder. Obwohl es mir zugegebenermassen im Grunde gefällt. Manchmal nutze ich es auch aus. Immer eigentlich. Ich bin halt auch nur ein Rüde, der Trieb steht uns ja quasi in die Schnauze geschrieben. Mein Mensch hat versäumt mich zu kastrieren.

Mein Besitzer nannte mich anfangs übrigens Sex, nicht Rex. Da war der Name natürlich Programm. Leider änderte er ihn, als er nach einem Umzug mich bei der Hundesteuer anmelden und auf der neuen Gemeinde seine Steuern für Sex bezahlen wollte. Gab da wohl irgendein Missverständnis. Menschen halt, dumm wie Bohnenstroh!

"Hey Baby, wie geht's denn so?" Pardon, Madame Dubarry du Lac des Cygnes ist gerade vorbeigeschwänzelt. Wir hatten mal was miteinander. Geile Schnitte, ganz wild. Die Aristokratinnen haben's faustdick hinter ihren kupierten Ohren! Wo war ich stehngeblieben? Richtig, das Hunderennen. Ist ja alles bisschen provinziell hier, wenn Sie mich fragen. Rifferswil, where the fuck is Rifferswil, dachte ich, als man mir den Auftrag erteilte. Hier muss man tatsächlich übers Feld latschen und sich seine neuen Nappaleder-Fussballen beschmutzen. Ich hasse meinen Job. Und wenn ich mir so die Gäste angucke, die menschlichen, meine ich. Naja, besser man erwartet nichts. Haben Sie mal die Liste der Sponsoren gelesen? Alles Servelat-Prominenz, nicht ein Highlight. Vogel Business Media zum Beispiel! Mit diesen zwei Informatik-Schmierblättchen. Seit der Erfindung der Informatik geht es mit der Menschheit bergab. Soll mir recht sein, ich bin schliesslich ein Hund. Kommt mir also eher entgegen das Ganze.

Ah! Die ersten Läuferinnen machen sich startklar. Bahn eins Betty Barckley Dirty Dancing, Sponsor Cablecom. Das sind doch die, die mich morgens immer wecken, weil sie wieder irgendeine Werbung in den Briefkasten von meinem Menschen schmeissen? Nun, man kann sich seine Sponsoren halt nicht aussuchen. So lange die keine anständigen Hundesender ins Programm nehmen, können die jedenfalls werben, bis sie schwarz werden. Die Trikots sehen auch irgendwie, wie soll ich sagen, Scheisse aus. Wieso laufen die eigentlich nicht nackt? Mit einem kleinen Brandzeichen des Sponsors auf dem Hintern? Aber mich fragt ja keiner.

Bahn zwei Bajazzo du Lac des Cygnes von T-Systems gesponsert. Ich kann's ja jetzt zugeben, im letzten Jahr, der Farbanschlag auf die Schweizer Filiale in Zürich, das war meine Idee. Gut was? Ich wollte es nur erwähnt haben. Bajazzo du Lac des Cygnes? Das ist doch hoffentlich nicht der Macker von meiner Madame Dubarry?
Bahn drei Libelle de Maupertuis. Bisschen schwach auf der Brust das Hundchen. Sponsor Olor. Nie gehört. Der gewinnt, meiner Spürnase kann ich trauen. Libellchen wird quasi ins Ziel fliegen. Ich liebe es auf Aussenseiter zu setzen. Meine Wett-Einsätze gehen ja auf Spesen, hähä.

Bahn vier Zorneagles Hercules, Sponsor eine PR-Agentur. Heisse Menschin, da kann man nicht meckern. Der Hund, naja, etwas altersschwach. Wen interessiert's, bei dem Dekolleté der Sponsorin, mhhh wufff schleck.
Bahn fünf Top Ting a Ling Glanmorgan, Sponsor Lenovo. Ich krieg gleich die Krise. Wer hat die denn eingeladen? Vergessen, was Chinesen fressen?
Auf Bahn sechs schliesslich Regina rien t'habille du Sac a malice, Sponsor ist ein gewisser Rens van der Graafe. Mein Gott, mit diesem Namen und gesponsert von einem Holländer! Herrschaften ich bitte Sie, das arme Tier braucht doch gar nicht erst an den Start zu gehen. Hat sowieso keine Chancen. Sollte sich besser gleich in den Wohnwagen seines Sponsors verziehen.

Eigentlich interessiert mich das alles hier nicht so. Ich zieh mir jetzt erstmal ein T-Bone-Steak rein und dann versuch ich's nochmal bei Madame Dubarry.


Donnerstag, 24. Februar 2011

Hoffnung


Manchmal träume ich ein blaues Haus
Mit orangen Wänden in der Küche
Zedern stehen davor
Ein Zitronenbaum, vom Wind bewegt
Frangipaniblüten, die lautlos
Auf den Boden fallen
Zikaden singen den Abend ein
Ansonsten nichts
Was das Dasein trübt

(Das Bild "Fridas zuhause"zeigt das Blaue Haus Frida Kahlos in Coyoacán, einem Vorort von Mexico City. Es wurde von der Künstlerin Gabriela gemalt, die an Krebs gestorben ist.)


Frühjahrs-Depression


Seit Freddys Analytiker ihm Fernsehverbot erteilt hatte, fühlte er sich noch ungeliebter und drepressiver als vorher. Er vermisste das Frühstücksfernsehen schon sehr. All die Vollidioten aus den Vormittags-Talkshows gaben ihm das Gefühl, dass für ihn doch noch nicht alles verloren war. Jetzt blieb ihm nur noch, sich zu Tode zu fressen. Keine schönen Aussichten.


Sonntag, 20. Februar 2011

ÖKOMANIE


Okö ist in. Ich zum Beispiel habe ja mal vor Urzeiten ein bisschen Öko-Nomie studiert. Ich weiss allerdings nicht, ob das auch zählt. Immerhin steckt zumindest etwas ökologisches im Wortstamm. Öko, griechisch oikos, das Haus und nomos, das Gesetz. Ja, in meinem Haus herrschen neue Gesetze. Zum Beispiel das Antirauch-Gesetz, der Umwelt zuliebe. Und für meinen Kater, der sowieso schon eine Menschenallergie hat. Rauch verträgt der gleich gar nicht. Gut, meine Freunde gehen jetzt lieber woanders hin, trinken mir so aber wenigstens meinen Biowein - aus von naturgedüngten Hängen handgeschöpften glücklichen Trauben - nicht mehr weg.

Die Öko-Logie wiederum ist ein Teilbereich der Biologie. Biologie ist immer gut. Seit ich mich nachhaltig ernähre, fühle ich mich wie ein Grundbestandteil meines Biotops, das ich in meinem Garten von einem Greenpeace-Aktivisten habe anlegen lassen. Ich setze quasi schon Moos an und bin noch immer (Null Schönheitsoperationen) komplett biologisch abbaubar. Können Sie das von sich auch behaupten? Nein? Dachte ich mir. Haben Sie dann wenigstens Ihren sprittfressenden, Kinder und Kleintiere plattwalzenden Geländewagen von der Strasse verbannt? Auch nicht? Egal. Ich zum Beispiel bremse mit dem Auto aus ökologischer Rücksichtnahme neuerdings viel weniger. Tut ja auch den Fussgängern gut, wenn sie ein bisschen hurtiger über den Fussgängerstreifen sprinten müssen. Wer zu langsam ist, naja.... Ein paar Opfer für die Umwelt müssen wir schliesslich alle bringen.

Apropos Opfer: Was tun Sie denn nun eigentlich für ein besseres Klima? Lüften Sie morgens noch immer Ihr Schlafzimmer? Wissen Sie, wie viel Energie dabei verlorengeht und vor allem wie viel Methangas an die Umwelt abgegeben wird? Nicht umsonst wurde in Neuseeland vor einigen Jahren The Flatulent Animal Tax eingeführt. Auf deutsch Furzsteuer. Angeblich soll unser Planet ja zu retten sein, wenn man die zahlreichen Schafe des Landes am Pupsen hindert. Da lobe ich mir doch die Notschlachtungen in unseren Breitengraden. Eine kleine Maul- und Klauenseuche, ein BSE-Verdacht oder vermeintlicher Schweinegrippe-Virus waren bis jetzt doch immer aufzutreiben.

Ab-Gase einfangen ist aber nun mal offensichtlich der letzte Schrei: Der kanadische Energieversorger Transalta und Tokyo Electric Power haben beispielsweise schon vor drei Jahren dem chilenischen Schweinefleischproduzenten Agrosuper einen Millionenbetrag gezahlt, dass dieser die Methanemissionen, also Furze, seiner über Viecher auffängt und das Gas verbrennt, wofür diese dann wiederum "Emissionsrechte" erhalten, um in ihren Kraftwerken Energie zu erzeugen. Kyoto-Schweine-Deal nannte sich das. Ich nenne das Öko-Wahn allererster Güte. Können Sie da mithalten? Nein? Machen Sie sich nichts draus. Die echten Öko-Zausel sind in Wahrheit sowieso die schlimmsten Umweltzerstörer. Sie waschen ihren Joghurtbecher fünfmal unter fliessendem Wasser aus, um ihn dann in einem VW-Bus – katalysatorfrei – auf die nächstgelegene Sondermülldeponie zu transportieren. Mit der damit verpufften Energie, könnte man ein Freudenhaus in der Zürcher Agglomeration ein Jahr lang gratis beleuchten.

Oh! Vor meiner Haustür regen sich gerade Globalisierungsgegner. Allerdings nur schwach. Sie tragen T-Shirts von Benetton und essen irgendwas von Mc Donalds. Dazu skandieren sie die Internationale. Der passende Song gegen die Globalisierung.


Donnerstag, 17. Februar 2011

Verleger und Autor - eine Hass-Liebe in einem Akt


Verleger: Ich mag Ihr Buch, bis auf den Schluss.

Autor: Was stimmt nicht mit dem Schluss?

Verleger: Er sollte näher am Anfang sein.

(aus einem Design-Magazin geklaut, deren Verfasser es ihrerseits ebenfalls geklaut haben)

Mittwoch, 16. Februar 2011

KNOCKOUT


"Hey, lach doch mal"
Sagte sie
Während sie an einem
Schlampig zusammengerollten Joint zog
Er verzog das Gesicht
Zu einer Fratze
Der Raum war eiskalt
Fast hätte man seinen Atem sehen können
Wenn der ihm nicht schon längst
Ausgegangen wäre

Gewissermassen lag er im Boxring des Lebens
Und wurde schon länger angezählt
Es gab keinen Grund
Wieder aufzustehen
Diese Runde war definitiv verloren


Dienstag, 15. Februar 2011

Blog doch!



Kreativitätsprobleme, arbeitslos, unfähig, unnütz? Hier kommt die Lösung: Werden Sie doch Blogger. Der Begriff Blog kommt ja vom Wort Weblog. Web steht dabei fürs World Wide Web und Log für Logbuch. Genau genommen ist es also eine Angelegenheit für Seefahrer und Piraten (Johnny Depp zum Beispiel). Wieso es trotzdem auch der Rest der Menschheit tut, ist mir ziemlich schleierhaft. Gut, Reiner Calmund tut's, Gwyneth Paltrow tut's, Angela Merkel tut's, warum sollte ich es nicht auch tun, wird sich mancheiner fragen. Ich sage es Ihnen: Weil sich keine Sau für Sie und Ihren banalen Alltag interessiert. Es interessiert sich auch keiner wirklich für den der oben Genannten. Aber immerhin sind die schön und berühmt oder zumindest reich. Gut, auf Letztere trifft nichts von alledem zu. Egal. Der Punkt ist, was sind Sie? Eben.
Unter dem Link: Wie man ein reicher und berühmter Blogger wird, steht NICHTS. Also vergessen Sie's. Wenn Sie nicht bekannt sind, ist es auch nicht interessant, Sie scheitern zu sehen. Wer es trotzdem weiter versuchen will: Auf http://www.probloggerworld.de/reich-beruehmt-blogger gibt's die ultimative Anleitung (für Legastheniker und Analphabeten auch als Zeichnung). Um ein berühmter Blogger zu werden, gibt es zwei simple Lösungswege: 1. Werde ein Blogger, werde berühmt, werde ein berühmter Blogger. 2. Werde berühmt, werde ein Blogger, werde ein berühmter Blogger. Das kann so schwer ja nicht sein.

Ich denke, also bin ich. (Descartes)
Ich leide, also bin ich. (Bruckner)
Ich blogge, also bin ich? (Ich)

Und hier noch ein paar Original-Beispiele, wie man es besser nicht machen sollte:

Morgen sind die Hundeschulferien vorbei (ach was?) – meine Grossmutter wandert aus (schön für die Oma, was hab ich damit zu tun?) – mir ist nichts passiert, Sie haben also nichts verpasst (sag bloss!) – es gibt Tage, an denen ich etwas länger im Büro bleibe (eiderdaus!) – der Henker tritt meist mit einer Maske auf (Gott vergelt's) – heute Mittag bestellte ich Gulasch vom Rind (who cares?) – ich werde meine Eindrücke aus Las Vegas schildern, schliesslich verschlägt es mich zum ersten Mal in die Wüste (Blogging Tom, ja bitte Tom bleib doch gleich dort) - mein zweijähriger Sohn hatte heute grünlichen Stuhl (interessant!) – Diabetes bei Katzen, ein Erfahrungsbericht (wo ist mein Katerfrühstück?) – ich blende mich jetzt aus (danke!)

Montag, 14. Februar 2011

Dä Waffen-Rap


Kon-ser-va-tiv
kon-ser-va-tiv
das sind wir wieder gern
wir pochen auf die Tradition
wenn's sein muss auf den Herrn
der gute Schweizer fühlt sich krank
hat keine Waffe er im Schrank
man weiss ja nie, morgen schon steht
der Russe da, dann ist's zu spät

Refrain:

Wir sind das Volk
und unser Wille zählt
die Scheisse, in der wir sitzen
ham wir selbst gewählt
De-mo-kra-tie und zwar direkt
so ham wir uns nur selbst befleckt
was wir gern vergessen
zum Mitreden braucht's Kopf
und das ist kein Scherz
auch ein bisschen Hirn drin
und ein bisschen Herz

Wenn's der Welt auch nicht gefällt
Wilhelm Tell ist unser Held
Ja, wir steh'n zu unsren Werten
zu den richt'gen und verkehrten
Willy Highland for litte Island
Europa will uns an den Karren
Jungs und Mädchen an die Knarren!

Wir sind das Volk....

Ueli bring mal das Gewehr
der Ausländer, der geht nicht mehr
bald baut er sich, darauf ne' Wett'
im Heimetli sein Minarett
Deutsche und Tamilen
sind hier gar zu Vielen
Italiener und Kanake
auf zur letzten Grossattacke

Wir sind das Volk...



Mitgefühl bitte!


Brigitte steht mit einem Glas Champagner
Am Rande der Party-Gesellschaft
Und langweilt sich
Ihr Donna Karan Kostüm (chartreusegrün)
Ist etwas knapp geraten
Wie ihre gute Laune
Über dem Wildlachs kreist gierig
Eine Riesenfliege
Ihre Flügel schimmern benzinfarben
"Tolle Party"
Sagt irgendein VIP
VIPs sind sie ja alle hier
Namen tun nichts zur Sache

Joachim ist der Spitzenkandidat
Seiner Partei
Ein Mann der ihr fremdgeworden ist
Obwohl sie ihn nie wirklich kannte
Beim zweiten Treffen hatte er sie geküsst
Als würde er es ernst meinen
Er hat sich Brigitte
Passend zum Design zugelegt
Kein Anzeichen von Liebe

Am liebsten würde sie ihm
Einen Attentäter auf den Hals hetzen
Geld war kein Problem
Das war letztlich das Problem
Brigitte hatte die Schnauze voll
Von Penthäusern und Luxusjachten
Blöden Dinnern mit noch blöderen Gästen
Sich anbiedernden Verwaltungsräten
Und einsamen Nächten
Sie hatte alles
Wovon sie immer geträumt hatte
Sie hatte nur zu spät bemerkt
Dass es sich
Um einen Albtraum handelte


Samstag, 12. Februar 2011

Gewusst wie


Indem er die Fotografier-Grenze so weit nach hinten verlegte, versuchte der Oberbürgermeister von Hinterschissingen zu vertuschen, dass es in seinem Ort nichts, aber auch rein gar nichts, zu sehen gab.