Montag, 27. April 2015

Eine Entführung der besonderen Art



Wenn man die moderne, karg eingerichtete katholische Kirche Bruder Klaus im baselbieterischen Liestal betritt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass sie der richtige Ort für ein fröhlich-orientalisch angehauchtes Singspiel sein könnte, wie es Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" ist. Überhaupt erwartet der Besucher derartige Aufführungen, insofern sie nicht rein konzertant sind, eher in einem dafür vorgesehenen Hause, kurz: der Oper. Und auch das eher spärliche Bühnenbild, die wenigen Requisiten sowie zusammengestrichenen Dialoge lassen im ersten Moment nicht erahnen, dass es dann auf der Bühne, oder besser unter und neben der Kanzel, doch noch nach gewohnt mozart'scher Manier ziemlich wild zu und her gehen würde.

Die beiden vorerst einzigen und aufs Wesentliche reduzierten Vorstellungen am 18. und 19. April fanden im Rahmen der sogenannten "Stimmband Konzerte" (www.stimmbandkonzerte.ch) statt, mit denen Initiantin Jeanne Pascale Künzli ehrenamtlich jährlich Konzerte für Musikbegeisterte organisiert. Künzli, Organisatorin und Sopranistin in Personalunion, legte in die Rolle der Konstanze jenen Tiefgang, mit dem Mozart, neben köstlichem Humor, dieses Singspiel geadelt hat. Ihr klarer Sopran hätte die Glasbilder der Kirche um ein Haar zum Bersten gebracht; deren abgebildete Engelsgestalten hätten es nicht besser machen können. 

In Anbetracht der Tatsache, dass kurz vor der Premiere das Orchester krankheitsbedingt ausfiel – grossartig virtuos Caspar Dechmann am Flügel als kompletter Orchesterersatz – und dass die Protagonisten ihr Singspiel quasi in Eigenregie daherzauberten, kann man nur den Hut ziehen, vor der Leistung aller Beteiligten, inklusive der Farnsburg Singers, die, wunderbar orientalisch kostümiert, den Janitscherchor des Stückes gaben. 

Perfekt besetzt die Rolle des Belmonte mit Tenor Raimond Wiederkehr, der den verliebten spanischen Verlobten Konstanzes mit überzeugendem Schmerz und der der Rolle angedichteten nötigen leichten Feigheit und Unterwürfigkeit sang und spielte. 

Ebenfalls die Rolle auf den Leib geschrieben bekamen Tenor Pascal Marti als Diener Pedrillo und Christa Fleischmann (Sopran) als Blondchen (hier ausnahmsweise brünett), die beide neben solidestem Gesang auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellten. 

Erich Bieri, Bass, brillierte als stimmstarker und urkomischer Palastwärter Osmin, dem man nur allzu gern noch einen zusätzlichen Akt zugehört und -gesehen hätte.  

Ganz der Tradition folgend, dass die Stimmband-Konzerte eben nicht der Tradition der Werke unbedingt folgen, mimte Schauspieler Daniel Buser überzeugend als Bassa (Pascha) Selim nicht nur konsequent den Weisen aus dem Morgenland, sondern mitunter auch den verliebten Macho, der die gefangene Konstanze nur sehr widerwillig mit ihrem Befreier und Geliebten Belmonte ziehen lässt.

Alles in allem eine sehr runde Vorstellung, die Mozart mit Sicherheit mit Freudentränen und Schenkelklopfen goutiert hätte. 

Weitere Stimmband-Vorstellungen der "Entführung aus dem Serail" sind in Planung sowie die Konzerte "On the Rocks (Melodien von Bond bis Rock) im September.

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