Donnerstag, 18. Oktober 2012

Das Los des Künstlers



Nach einem Shopping-Exzess letzten Samstag, in dessen Verlauf ich innerhalb von 30 Minuten rund 500 Franken auf den Kopf kloppte, für Dinge, die ich nicht wirklich brauche, aber zumindest begehre, ereilte mich nach dem Erstehen einen Buches zum Thema Streetart die INSPIRATION.

Uhhh, dachte ich, selten kommt sie vorbei, noch seltener bleibt sie bei mir stehen, nix wie nach Hause und ran ans Werk. Mit Tüten beladen hetzte ich gen heimische Trutzburg, schloss wie eine Irre, die sich verfolgt fühlt, die Tür auf, liess alles fallen und dachte mir: Bloss nicht mich selbst fallen lassen, mach eine Bogen um die Couch, lass die Glotze aus, denn all das kann die Inspiration für den Tod nicht ab.

In irgendeiner Ecke fand ich dann auch den Karton mit den Malutensilien, hatte aber vergessen, dass ebendiese Kiste als Stütze für das labile Bücherregal fungierte. Das Regal kippte, die Bücher lagen auf dem Boden, aber egal, nicht schwach werden, nicht aufräumen. Die Kunst verlangt schliesslich ihre Opfer. Meine erste Eingebung für das Bild, noch auf dem Nachhauseweg, war: PINK. Ich hasse pink, schon als Kleinkind verweigerte ich mich rosafarbener Kleidung. Wieso mir also ausgerechnet pink vor meinem inneren Künstlerauge erschien, weiss wahrscheinlich nicht mal mein Therapeut. Der Spiegel fragte einst in einem Artikel: Wofür steht die Farbe Rosa? Für etwas Zartes, Sensibles, Lustvolles? Oder ist sie peinlich, kitschig, gar schweinisch? Egal. Rosa war die erste Eingebung, der man ja bekanntlich folgen soll.

Nur braucht man, um Rosa zu mischen, neben Rot auch Weiss. Für Pink sogar ein wenig Blau. Leider gabs in meiner Künstlerkiste kein Weiss. Glücklicherweise hatte ich kürzlich die Wand gestrichen und hatte noch ein paar halb eingetrocknete Reste rumstehen. So entstand oben zu sehendes Werk, bei dem ich nicht weiss, was es zu bedeuten hat. Wie kommt man auf die Idee, eine Frau mit einem Einkaufswagen abzubilden, in dem ein Kleinkind hockt, dass einer anderen Frau grün auf den Kopf kotzt? Und warum zum Teufel malt man kleine Jungs in Matrosenuniform, die andere Betrachter für skellettierte Käfer halten?

Ein Freund, dem ich das Bild am Ende des Tages zeigte, mimte den Kunstkritiker mit folgenden Worten: "Das Bild sieht aus wie die Tapete, über die Oscar Wilde auf seinem Sterbebett sagte, sie möge verschwinden, sonst tue er es."

Es ist nicht leicht ein Künstler sein zu wollen.

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